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100% MARVEL 71: DAREDEVIL DAS ENDE ALLER TAGE

100% MARVEL 71: DAREDEVIL DAS ENDE ALLER TAGE

Brian Michael Bendis, David Mack, Klaus Janson (Zeichner), David Mack (Zeichner), Bill Sienkiewicz (Zeichner), Alex Maleev (Zeichner), Dan Jurgens (Zeichner)
Comic / Superhelden

Panini Comics
Originaltitel: Daredevil: End of Days 1- 8

Klappenbroschur, 208 Seiten

Jan. 2014, 19.99 EUR
Status: Nicht mehr erhältlich.

STORY

Hell‘s Kitchen in einer nahen Zukunft: Daredevil ist tot. In einem zweistündigen Kampf wurde der Mann ohne Furcht buchstäblich von Bullseye totgeprügelt. Reporter Ben Urich vom ‚Daily Bugle‘ soll auf Anweisung seines Vorgesetzten eine Story über das Ereignis schreiben, über das die ganze Welt – dank der Möglichkeiten moderner Nachrichtenverbreitung – längst Bescheid weiß. Zunächst unwillig beginnt Urich zu recherchieren und stößt bald auf eine Reihe an Rätseln, von denen Bullseyes Selbstmord lediglich das erste unter vielen ist.

MEINUNG

Eine Story, die mit dem Tod der Hauptfigur beginnt, kann entweder nur gründlich in die Hose gehen – oder sie sprengt, befreit von allen Zwängen und Ballast der einengenden Kontinuität und dem Gesetz der Serie, den starren Rahmen der Beständigkeit und wird zu etwas ganz und gar Außergewöhnlichem.

Zweites ist bei „Das Ende aller Tage“ der Fall, dessen Ausgangspunkt für die Handlung von „Citizen Kane“ inspiriert wurde. Wie Charles Foster Kane in Orson Welles Pseudobiografie flüstert auch Matt Murdock mit seinem letzten Atemzug ein geheimnisvolles Wort: „Mapone“, das für Ben Urich zum Startpunkt seiner Recherchen wird. Mit dem Instinkt eines Reporters der alten Schule weiß er, dass er hier das Ende eines Fadens in der Hand hat, ungewiss jedoch, wohin ihn seine Suche führt.

In der Hoffnung, dass jemand aus Murdocks Vergangenheit die Bedeutung des Wortest kennt, beginnt Urich, ehemalige Gegner, frühere Verbündete und einstige Geliebte (einige in Personalunion) ‚abzuklappern‘. Entsprechend wimmelt es in dieser achtbändigen Miniserie von Gastauftritten. Unter anderem geben sich Nick Fury, Frank „Punisher“ Castle, Maya „Echo“ Lopez, Leland „Owl“ Owlsley und selbstverständlich „Elektra“ Natchios die Ehre. Dabei stößt Urich auch auf erstaunlich viele Kinder, die Matt Murdock nicht unerheblich ähnlich sehen.

Ungewollt erfährt er auch einiges, was ‚seinen‘ Helden in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt. Und es dauert nicht lange, bis Urichs Ermittlungen diverse Alarmglocken klingeln lassen, was mehr oder weniger freundliche Treffen mit ehemaligen Wegbegleitern Daredevils zur Folge hat, die ganz und gar nicht an der Enthüllung ihrer Geheimnisse interessiert sind.

Und lässt man den Superheldenanstrich der Geschichte einmal außer Acht, steht Ben Urich hier in direkter Tradition der Ermittler unzähliger Hardboiled-Krimis und Hollywoods Schwarzer Serie.

So erfordert „Das Ende aller Tage“ auch nahezu keine Vorkenntnisse vom Leser. Doch selbst wenn die Geschichte für sich stehen kann, macht der Band natürlich mehr Spaß und sorgt für einige Aha-Momente, wenn man mit dem „Daredevil“-Umfeld einigermaßen vertraut ist.

Es ist alleine schon ein Geniestreich, Ben Urich, der Reporter, der einst Daredevils zivile Identität herausgefunden hat und der dem Teufel auch etwas schuldig ist (Daredevil rettete einst Urichs Sohn), zur Hauptfigur und damit zum Ermittler in Dardevils Vergangenheit zu machen (Urichs Gedanken sind übrigens ganz Reporter-like in Courier gesetzt). Nicht ganz unerheblich für das Funktionieren dieser Geschichte ist außerdem die Tatsache, dass „Das Ende aller Tage“ von einer Riege der besten „Daredevil“-Autoren und –Zeichner realisiert wurde, die alles aus ihren Schreibmaschinen und Zeichenstiften geholt haben um ‚ihrem‘ Helden damit eine ‚posthume‘ Ehre zu erweisen.

Als Hauptschreiber fungierte Starautor und Krimifan Brian Michael Bendis („Torso“, „Powers“), der die reguläre „Daredevil“-Serie von 2001 – 2006 verfasst hat. Ihm zur Seite stand als Co-Autor David Mack („Kabuki“), der grafisch auch die Rückblenden mit seiner unverwechselbar kunstvollen Collagenmalereien gestaltet hat. Der Großteil der Geschichte, der in der erzählerischen Gegenwart spielt, wurde jedoch von Altmeister Klaus Janson (zeichnete auch Frank Millers „Daredevil“-Strecke) illustriert und von Zeichner-Kollege Bill Sienkiewicz („Elektra“) getuscht. Sienkiewiczs fieberhafte Tuschung verstärkt dabei nochmals das ohnehin raue und kraftvolle Artwork von Janson.

Die Coverbilder sowie einige ganz- und halbseitige Illustrationen innerhalb der Story steuerte der Bulgare Alex Maleev („Sam & Twitch“) bei, der gemeinsam mit Bendis bereits an der fortlaufenden „Daredevil“–Serie gearbeitet hat. Gemeinsam haben die Herren hier ein starkes, düsteres und ungeschliffenes Highlight des Superheldenjahres 2013 geschaffen, das am Ende noch einen (genauer: zwei) Hoffnungsschimmer für die Zukunft von Hell’s Kitchen bereithält. Vielleicht kein zweiter „The Dark Knight Returns“, doch „100 % Marvel“ steht hier völlig zu Recht auf dem (deutschen) Cover.

FAZIT

Großartig düstere Story mit deutlichem Krimitouch. Reporter Ben Urich bewegt sich als Detektiv wider Willen durch den gefühlten Dauerregen New Yorks, um die Geheimnisse eines toten Freundes aufzudecken. Ein kleines, dreckiges Meisterwerk, in Szene gesetzt von der Crème de la Crème der „Daredevil“-Autoren und –Zeichner.

06. Jul. 2016 - Elmar Huber

Der Rezensent

Elmar Huber
Deutschland

Total: 608 Rezensionen
Juni 2017: 6 Rezensionen

(* 1972) kann sich noch dunkel an den "phantastischen Film" im Nachtprogramm des ZDFs erinnern, der damals (nicht zuletzt aufgrund des Zeichentrickvorspanns) schon eine gewisse Faszination ausübte.
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