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Die Wanderdüne

DIE WANDERDÜNE

Felix Woitkowski
Roman / Phantastik

Wunderwaldverlag

Taschenbuch, 161 Seiten
ISBN: 978-394058248-5

Mai. 2011, 1. Auflage, 11.00 EUR
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Zum Inhalt:

Für Jonathan Harena ist der Besuch des Rummels Höhepunkt des Jahres schlechthin. Die bunten, nach Aufmerksamkeit heischenden Schaubuden, die rasanten Fahrgeschäfte und der Duft nach gebrannten Mandeln, das wilde Menschentreiben und die ausgelassene Musik. All diese Attraktionen wollen ihn auch dieses mal wieder gefangen nehmen. Die Fügung will es jedoch, dass sein Blick ausgerechnet auf ein altes, schon mehrfach geflicktes Zelt abseits des Trubels fällt. Die vollmundigen Worte des Besitzer versprechen ein Naturschauspiel ungeahnter Dimension. Doch schnell wird Jonathan bewusst, dass dieses Versprechen eine Vision aus Schmerz und Verzweiflung bereit hält, die sich in seinem wehrlosen Geist ergießt. Als die Marter endet, findet er sich in einer merkwürdigen Stadt wieder; einer Stadt, deren Bewohner nur leere Hüllen sind, kalt und ohne Gefühle. Weder Gedanken noch Empfindungen scheinen die menschenähnliche Wesen anzutreiben. Vielmehr ist es der Sand der Wanderdüne und der Wind, die ihnen das Leben ermöglichen. Jonathan begibt sich auf die Suche nach einem Ausweg aus der Stadt - und nach Antworten ...

Für Gustav Samuel gibt es nur ein Ziel im Leben: Die Erforschung der Vergangenheit von „Stadt“. Wie wurde sie begründete? Wer war ihr Gründungsherr? Diese und noch viele weitere Fragen treiben den Forscher an. Geschichten und Legenden gibt es viele über seine geheimnisvolle Heimat, doch niemand scheint sich dafür zu interessieren. Die Menschen fürchten sich regelrecht davor, Samuels Fragen zu beantworte, oder auch nur darüber nachzudenken. Allenthalb stößt er auf tauben Ohren und verschlossenen Münder. Und nur wenige Dokumente und verstreute Hinterlassenschaften geben dunkle Hinweise auf die Geschichte von „Stadt“. Einzig mit ihrer Hilfe versucht er das Geheimnis zu lüften und wird über dieser Aufgabe selbst zu einer Art Legende.

Nie hat es eine Zeit gegeben, in der Lina ihr Heimatviertel Chaju je verlassen hätte. Von ihrer Tante dort groß gezogen, drangen von den anderen Stadtvierteln nur vage Gerüchte an ihre Ohren. Doch nun soll sie gehen und ihrem Vater suchen, denn der Wind ist aus der Stadt verschwunden. Lina empfindet plötzlich Angst vor ihrer Heimat. Eine finstere Wolke scheint sich über das Firmament gebreitet zu haben und beängstigende Ereignisse kündigen sich an. Wiederwillig begibt sie sich auf die Suche nach ihrem Vater den sie kaum kennt und dessen Ruf in „Stadt“ höchst zweifelhaft ist: Gustav Samuel.

Drüber geschaut:

Felix Woitkowski ist bisher vor allem als Herausgeber phantastischer Anthologien („Von Dolch und Stundenglas“ - Arcanum Fantasy Verlag oder „Im Bann des Nachtwaldes“ - Lerato Verlag) und als Verfasser von Kurzgeschichten hervorgetreten. Mit „Die Wanderdüne“ liegt nun sein erster Roman vor. Die Geschichte gliedert sich in drei Teile, die nach dem jeweils agierenden Protagonisten benannt ist. Den Anfang macht Jonathan Harena, der sich nach dem Besuch einer unheimlichen Rummelplatzattraktion plötzlich in „Stadt“ wiederfindet und nun verzweifelt versucht, zurück in seine Realität zu finden. In diesem ersten Kapitel hält sich der Autor nicht lange mit einer Einführung auf, die Handlung gleitet nicht langsam und bedacht ins Surreale, sondern bricht in Form einer „Wirklichkeitsanomalie“ über den Protagonisten herein. Die darauf folgende Suche nach einem Entkommen gestalte sich wie ein bekannter Alptraum: Man läuft und läuft, immer in der Ahnung etwas Schreckliches ist hinter einem her, man kommen jedoch nicht voran. Der Autor weiß dieses Gefühl geschickt zu vermitteln, wozu er verschieden Szenen aufbaut, in die Jonathan Harena unweigerlich gerät - sei es die grundlose Hinrichtung eines Menschen oder das Duell eines Edelmannes mit sich selbst. Störend ist manchmal nur, dass er den Leser explizit daran erinnern muss, einem Alptraum beizuwohnen. Erst ab dem zweiten Kapitel, dass sich um die Suche des Gustav Samuel dreht, verschwindet dieser Schönheitsfehler. Hier nun baut der Autor eine regelrechte Mythologie um „Stadt“ auf. Zu diesem Zweck werden verschiedene Legendentexte und geschichtliche Dokumente zitiert, was ein wenig an das Vorgehen Lovecrafts erinnert, der ebenfalls solche Kniffe benutzte, um den vonstatten gehenden Ereignissen Authentizität zu verleihen. Die Wirkung, die der Autor damit erzeugt, ist fast identisch. Das Gefühl von Verwirrung und der Hauch einem verborgene Geheimnis auf der Spur zu sein, überträgt sich nachhaltig auf das Empfinden des Lesers. Dieser Effekt verliert sich auch im dritten Kapitel nicht, welches scheinbar in einer näheren Zukunft spielt. Hier begegnet man nun der Tochter des Gustav Samuel, die ihrem Vater kaum kennt, jedoch auf die Suche nach ihm geschickt wird. In diesem Abschnitt der Geschichte wird wohl am deutlichsten, dass jeder Vorgang in „Stadt“ einem verborgenen Gesetz folgt. Die Menschen handeln oft widersprüchlich, meist auf absurde Art. So ist der Grund für die Vatersuche, dass der Wind aus „Stadt“ verschwunden sei und nur Gustav Samuel in der Lage wäre, ihn wieder zurückzuhohlen. Letztendlich trifft Lina auf Jonathan Harena, womit sich die Geschichte ohne recht befriedigendes Ende auflöst, denn beide scheinen mit ihrer Suche erfolglos. Erfolg kann man jedoch weitestgehend Felix Woitkowski bescheinigen. Zwar mag der erste Teil einige Schwächen aufweisen, die Gesamtwirkung einem schwer fassbaren, dunklen Schauspiel beizuwohnen, verfehlt er jedoch nicht. Mit seinen 161 Seiten ist das Buch nicht gerade umfangreich, zieht man jedoch Parallelen mit einer Mahlzeit, so ist der Nährwert im Vergleich zur Masse beträchtlich.

Fazit:

„Die Wanderdüne“ ist kein Buch für jedermann; zieht dessen Geschichte seinen Reiz doch mehr aus den Aufbau einer finsteren Atmosphäre und undurchschaubarer Ereignisse. Action und ein wilde Handlung sucht man vergeblich. Wer jedoch der subtilen Form der Phantastik zugeneigt ist, wird mit diesem Titel bestens bedient sein.

02. Jun. 2011 - Eric Hantsch

Der Rezensent

Eric Hantsch
Deutschland

* 29. Mai 1986
Website: http://dunkelgestirn.wordpress.com
Total: 11 Rezensionen
Juli 2017: keine Rezensionen

Eric Hantsch stellt sich vor:

Geboren wurde ich am 29.05.1986 in Dresden und lebe in Neustadt i. Sa., einem ländlichen Ort, unweit der Sächsischen Schweiz.
Die Begeisterung für phantastische Geschichten wurde schon frühzeitig in mir geweckt; angefangen mit den Märchen der Brüder Grimm und Wilhelm Hauff. Das erste,...

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