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NEWS: KINDERBUCHHANDLUNGEN IN HAMBURG

12. Februar 2018 - Dreimal Kinderbuchliebe

Buchhandlungen, die sich auf Literatur für Kleine konzentrieren, gibt es nicht wie Sand am Meer. In Hamburg allerdings ist Platz für gleich drei Spezialisten: den Kinderbuchladen KiBuLa, die Kinderbuchhandlung im Schanzenviertel und das Kinderkulturkaufhaus Knuffels.

Wenn sich die Ladentür zum KiBuLa öffnet, schlägt eine Glocke an, eine echte, aus Metall. Ist das nun "retro" oder "oldschool"? Einerlei, denn im Kinderbuchladen ­KiBuLa im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst wirkt es einfach nur authentisch, denn Inhaberin Nina Helbig hat ein Faible für besondere Dinge – ob sie nun auf der jüngsten Designmesse oder, wie die unterschiedlichen Deckenleuchten, auf dem Flohmarkt aufgestöbert wurden. Manches gute, alte Stück ist auch schon seit der Ladengründung 1970 an Ort und Stelle. Die Hauptsache ist: Nina gefällt's.

Mit ihrer persönlichen Handschrift hat sie den KiBuLa (2008 von ihr übernommen) zu einem ganz besonderen Ort gemacht. Hell, bunt, luftig und freundlich ist das Ambiente in dem hohen Raum. Jedes Detail spiegelt den ästhetisch geschulten Blick der diplomierten Designerin wider, oft hat sie selbst Hand angelegt, und überall gibt es regelmäßig etwas Neues zu entdecken. Der spezielle Mix, mit leichter Hand arrangiert, macht den KiBuLa zu einem Schatzkästchen, in das man mit Muße eintauchen sollte, um all die mit Herzblut ausgewählten und präsentierten Dinge wahrnehmen und würdigen zu können. Die Buchhandlung liegt in einer eher ruhigen Wohnstraße zwischen dem schicken Villenviertel zur Alster hin und dem langsam aufstrebenden Stadtteil Barmbek.

Mit einem bunten Veranstaltungsprogramm sorgt Nina Helbig dafür, dass auch immer wieder neue Menschen ihren Weg in den KiBuLa finden. Hier gibt es Buchvorstellungen und Bas­telaktionen, kleine Designmärkte mit befreundeten Künstlern, wöchentliche Mal- und Nähkurse für Kinder, Ausstellungen – und jährlich eine Release-Party für einen Kalender, an dem zwölf Hamburger Illustratorinnen beteiligt sind.

Nina Helbig hat selbst in Hamburg Illustration studiert; zu ihren Werken zählen auch einige Bilderbücher und die eigene Papeteriemarke stattblum, die sie exklusiv im KiBuLa anbietet. Ihre Kontakte in die Szene sind deshalb bestens. Überhaupt scheint sie eine geborene Netzwerkerin zu sein, vor allem auf lokaler Ebene. In der Nachbarschaft sprechen sich die Veranstaltungen im KiBuLa immer schnell herum. Posts auf Facebook tun das Übrige. "Die Sozialen Medien muss man bedienen, man muss dort präsent sein", davon ist Helbig überzeugt – auch wenn das Zeitbudget oft knapp ist. Im Tagesgeschäft steht ihr Monika Schulze zur Seite. Die 76-Jährige ist eine Institution im Stadtteil, sie gehörte einst zum KiBuLa-Gründungsteam. Sie nimmt Helbig die ungeliebte Buchhaltung ab und steht nachmittags im Laden. "Durch sie haben wir die Stammkundschaft behalten. Jede von uns spricht ein anderes Publikum an", meint Helbig.

Ein wichtiger Aspekt, denn in den Hamburger Kinderbuchläden ist ausführliche Beratung gefragt. "Das ist unser Grundgeschäft. Das macht uns aus und unterscheidet uns von vielen anderen Buchhandlungen", bestätigt Ulrike Steinwarder von der Kinderbuchhandlung im Schanzenviertel. Das Spezialsortiment ist, wie der KiBuLa, ein Kind der 70er, hat sich von Beginn an als linksorientiert posi­tioniert und wird nach wie vor im Kollektiv geführt. Zur Kinderbuchhandlung gehört ein weiteres Sortiment mit dem Schwerpunkt Literatur und Politik, das nur 200 Meter entfernt liegt. Im Umfeld hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel verändert: Die "Schanze", wie die zum Stadtteil St. Pauli gehörende Sternschanze kurz genannt wird, ist vom Schmuddelkind zum Hipster-Kiez geworden.

Die Buchhandlung im Schanzenviertel
Wer in den vergangenen Jahren hierher gezogen ist, muss hohe Mieten zahlen. Am Wochenende dominieren Touristengruppen auf Sightseeingtour die Gegend – nicht nur sie genießen den teilweise noch verbliebenen alternativen Charme, vorzugsweise in einem der zahllosen Cafés.

"Sicher kommen auch Touristen zu uns, sie ziehen in Scharen an unserem Fenster vorbei und kaufen Postkarten. Aber unsere eigentlichen Kunden kommen aus dem Viertel – hier gibt es so viele Kinder und Familien, es platzt aus allen Nähten", beschreibt Steinwarder ihr Umfeld. Die Kaufkraft der Eltern sei sehr gut, sie schätzten Bücher und den Einkauf vor Ort. Damit stehe die Buchhandlung wirtschaftlich auf stabilen Füßen. Gleichzeitig ist die Kundschaft anspruchsvoll: Die Eltern würden ihre Kinder ernst nehmen, eine intensive Beratung wertschätzen, so die Buchhändlerin. So wie die KiBuLa-Kollegen legt auch Steinwarder Wert darauf, beim Nachwuchs die Lust am Lesen zu wecken und zu fördern – mit fantasievollen, witzigen, schön illustrierten, nachdenklich machenden Büchern, gern aus kleineren, unabhängigen Verlagen.

Den Rahmen setzt die überschaubare Verkaufsfläche von 40 Quadratmetern. "Es ist Problem und Stärke zugleich, uns auf diesen Raum zu beschränken", sagt Steinwarder mit Blick auf die umlaufenden, hohen Regale aus hellem Massivholz, in denen sich Rücken an Rücken eine große Titelvielfalt, auch aus der Backlist, findet. Die Inhalte und das Beratungsgespräch stehen im Vordergrund, verbunden mit klaren Botschaften: So ist es dem Team beispielweise ein Anliegen, mit dem Buchangebot keine Geschlechterstereotype zu zementieren. "Wir haben bewusst sehr wenige 'rosa Bücher'", nennt Steinwarder ein Beispiel. Im Kollektiv arbeiten: Das bedeutet auch, dass nur die Titel eingekauft werden, denen alle vier aktiven Buchhändlerinnen zustimmen. In den Regalen findet sich beispielsweise Lesestoff rund um das Thema LGBT (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender), außerdem gibt es englischsprachige Bilderbücher, Graphic Novels, Sachbücher über Tod, Flucht und Gesellschaft. Steinwarders Wunsch an die Verlage: "Mehr Person-of-Colour-Alltagsgeschichten – das ist etwas, was unsere Kunden suchen". Einer der bestverkauften Titel im Weihnachtsgeschäft war "Good Night Stories for Rebel Girls" von Elena Favilli und Francesca Cavallo aus dem Hanser Verlag.

Non-Books haben in der Kinderbuchhandlung im Schanzenviertel schon aus Platzgründen keine Chance, zumal nebenan ein Spielzeugladen ist. Ganz anders sieht es im Kinderkulturkaufhaus Knuffels aus, das Kristina Wiers und Dieter Lomp vor zehn Jahren im Stadtteil Ottensen eröfffnet haben und das Bücher und Spielwaren bewusst kombiniert. Das Viertel im Hamburger Westen lädt mit seinen vielen kleinen Läden zum Bummeln ein, und genau wie in der Schanze hat sich hier in den vergangenen Jahren ein zunehmend kaufkräftigeres Publikum niedergelassen, darunter viele junge Familien.

Das Kinderkulturkaufhaus Knuffels
"Wir sind sehr verwöhnt", meint Dieter Lomp, "unsere Kunden sind neugierig und offen für das, was man ihnen zeigt, und dazu bereit, auch Neues auszuprobieren." Außerdem ist der Kundenkreis sehr kommunikativ – durch persönliche Empfehlungen wurde das Knuffels zum Anlaufpunkt im Viertel. Werbung und Social Media, das "ist dagegen nicht so unser Ding", räumt Lomp ein. Extrem wichtig ist für ihn dagegen das Schaufenster, das immer neue Impulse nach außen sende und auf große Resonanz bei den Kunden stößt. Auch das Spielzeug spielt als Zusatzsortiment eine wichtige Rolle. Es steuert 25 Prozent zum Umsatz bei, erfordere aber viel "Forschungsarbeit", meint Lomp. Schließlich muss er immer wieder neue Produkte kleiner Hersteller aufspüren, damit das Knuffels für seine entdeckungsfreudigen Kunden attraktiv bleibt.

Die Ladeneinrichtung ist zeitlos-­modern. Vor der Eröffnung ihres Kinderkulturkaufhauses haben sich Kristina Wiers und Dieter Lomp, die auch privat ein Paar sind, Läden in ganz Deutschland angesehen. Ein Berliner Geschäft für Wohnzubehör gefiel ihnen so gut, dass sie den entsprechenden Innenarchitekten damit beauftragten, ihre Buchhandlung auszustatten. "Ich bin den Ladenbauern sehr dankbar für ihre Arbeit – denn wir sind schon optisch kein 'Mama'-Laden. Auch Männer haben keine Berührungsängste und trauen sich problemlos rein", so Kristina Wiers. Wichtig war den beiden Quereinsteigern – Wiers hat Politikwissenschaften, Germanistik und Geschichte studiert, Lomp ein Kino geleitet – ein kindgerechtes Mobiliar: niedrige Tische und Schütten für Bilderbücher, dazu unkomplizierte Sitzpolster. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass Kinder hier jedes Buch selbst in die Hand nehmen.

Über einen sonderlich ausgefeilten Onlineshop verfügt das Knuffels nicht, ähnlich wie die beiden Wettbewerber. Gibt es da noch Luft nach oben? Die Antwort ist vor allem eine Frage der Prioritäten: "Wir beraten lieber direkt", betont das Knuffels-Duo. Hamburgs Kinderbuchhändler sind eben Individualisten. Und genau das scheinen die Kunden so zu schätzen.

Kinderbuchladen KiBula, Hamburg-Uhlenhorst
Inhaberin: Nina Helbig (auf dem Foto links)
Verkaufsfläche: 60 Quadratmeter
Mitarbeiter: 2
Adresse: Schenkendorfstraße 20, 22085 Hamburg
Internet: http://kibula-hamburg.de/

Der Kinderbuchladen KiBuLa wurde 1970 gegründet; 2008 übernahm Nina Helbig die Buchhandlung. Helbig wird unter anderem unterstützt von Monika Schulze, die zum Gründungsteam des KiBuLa gehörte.

Buchhandlung im Schanzenviertel, Hamburg-Sternschanze
Inhaber: Kollektiv; 7 Frauen und 3 Männer Verkaufsfläche: 40 Quadratmeter
Mitarbeiter: 4
Adresse: Schanzenstraße 6, 20357 Hamburg
Internet: http://www.schanzenbuch.com/Kinderbuecher

Seit Anfang der 90er Jahre besteht die Buchhandlung im Schanzenviertel aus zwei Läden mit den Schwerpunkten Literatur und Politik / Kinderbücher und Pädagogik.

Knuffels – Kinderkulturkaufhaus, Hamburg-Ottensen
Inhaberin: Kristina Wiers, Dieter Lomp
Verkaufsfläche: 50 Quadratmeter
Mitarbeiter: 2
Adresse: Bahrenfelder Str. 68, 22765 Hamburg
Internet: http://www.das-knuffels.de/

Das Kinderkulturkaufhaus Knuffels wurde 2008 eröffnet; Sortimentsschwerpunkte sind Kinder- und Jugendbücher und Spielzeug (Umsatzanteil: 25 Prozent).



Quelle: https://www.boersenblatt.net/artikel-kinderbuchhandlungen_in...

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