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Abgründe
von Michael Schmidt

Manfred Lafrentz Manfred Lafrentz
© http://www.literra.info
Da war es wieder. Dieses unheimliche, diabolische Lächeln. In der Dunkelheit blitzen die weißen Eckzähne auf. Dunkle Flecken, deren Herkunft ich schmerzhaft erleben musste, bildeten ein skurriles Muster im dämmrigen Zwielicht.
Im Nachhinein war mein Vorgehen selbstmörderisch gewesen, doch würde mir dieses Wissen keinen Nutzen mehr einbringen. Ein Hochgefühl der Stärke hatte mich getragen, doch der tiefe Fall der Niederlage schmeckte bitter. Diese Erkenntnis war leider nicht umsonst, der Preis würde mein Leben sein. Nicht mehr , aber auch nicht weniger.
Ich wollte den Tod meiner Frau rächen. Ein Vampir hatte sich ihrer angenommen und ihr ein furchtbares Ende bereitet. Meine Kenntnisse über diese Wesen der Nacht waren leider nicht groß, doch meine Zuversicht, mit ihnen fertig zu werden, um so mehr. Ich informierte mich im Vorfeld, studierte die einschlägige Literatur eingehend. Ich ließ mir Zeit für meine Vorbereitungen, grub Menschen an das Tageslicht, die praktische Erfahrungen mit der Bekämpfung dieser Kreaturen hatten. Eine Person namens Theodor Master wurde zu meinem Partner. Doch auch er war mittlerweile ein Teil der Vergangenheit.
Mit Eichenpflock, Silberkreuz und Weihwasser bewaffnet, begab ich mich zu seiner Ruhestätte. Vampire waren Kreaturen der Nacht, so war mein Vorgehen klar. Am Tag würde der Blutsauger schlafen, ich erwartete nicht einmal ein besonders großes Risiko dabei, sein untotes Leben auszuhauchen. Im Gegenteil, ich bedauerte es, ihm im Schlaf den Garaus machen zu müssen, empfand die zu erwartende Rache dürftig und schal. Doch meine Perfektion in solchen Dingen würde diesen Nachteil mehr als ausgleichen. Denn ich war ein Meister der Folter.
Ich malte mir sein Ende in den schillerndsten Farben aus.
Erst platzierte ich das Silberkreuz auf seiner leblosen Brust. Der Blutsauger erwachte, gebannt und unfähig, auch nur den kleinsten Finger zu rühren, das Gesicht zu einer schmerzverzerrten Fratze entstellt, die seinem eigentlichen Wesen sehr Nahe kam. Genussvoll nahm ich die Phiole mit Weihwasser und träufelte einige Tropfen auf seine Handgelenke.
Die Flüssigkeit wirkte wie Salzsäure. Die Haut rötete sich erst, warf langsam Blasen, bevor sie mit einem Zischen verbrannte. Ein erbärmlicher Gestank erfüllte die Luft und ließ das Atmen zur Qual werden. Die blutleeren Adern, lösten sich im Gleichtakt mit Muskelmasse und Sehnen. Der Knochen darunter begann sich langsam aber sicher zu zersetzen.
Das Geschrei des Vampirs dröhnte in meinen Ohren und brachte die dunkle Seite meiner Seele zum Schwingen, bereitete mir ein tiefes Gefühl des Wohlseins.
Ich nahm die Phiole erneute und befeuchtete sanft sein Gesicht. Das Ergebnis befriedigte mein Bedürfnis nach Rache enorm, mein Körper verkrampfte in hämischem Lachen.
Die Haut löste sich in Sekundenschnelle auf. Das nackte Gebiss bleckte mir entgegen. Der Augapfel zerfloss in einer schleimigen Substanz, die zischend eine Spur durch die Wangenknochen grub. Eine fast sexuell zu nennende Erregung bemächtigte sich meiner. Ich verspürte ein grandioses Glücksgefühl.
Ich schüttete den Rest des Weihwassers über den Blutsauger. Die Eingeweide verschmolzen zu einem undefinierbaren Brei aus Blut, Gedärmen und verbranntem Fleisch. Der Schrei des Vampirs wurde zunehmend spitzer und schriller. Der entscheidende Moment war gekommen.
Minutenlang badete ich im süßen Geschmack des Sieges. Dann war es soweit, die Vollendung meiner Rache stand kurz bevor.
Ich nahm den Eichenpflock in die Hand und wog ihn abschätzend. Ein leichtes Zittern bemächtigte sich meiner Hände, nicht vor Angst, sondern vor einer tiefgehenden Erregung, die mir die bevorstehende Auslöschung des Vampirs bescherte. Sollte seine Seele in den ewigen Feuern der Hölle schmoren. Ich holte zum entscheidenden Schlag aus, genoss das letzte Aufbäumen der dunklen Kreatur.
Das Traumbild zerfaserte, und ich kehrte in die Bitterkeit der Realität zurück. Einzig der immerwährende Schmerz blieb. Nur war ich derjenige, dessen Geist vor Agonie schrie, das hilflose Opfer der scheinbar ewig währenden Qual. Die Sage vom Geschöpf der Dunkelheit war eine Lüge gewesen, meine Taktik, ihn tagsüber zu überwältigen fehlgeschlagen. Er hatte mir aufgelauert und mich überwältigt, ohne dass meine Gegenwehr einen nennenswerten Erfolg gebracht hatte. So hing ich in Ketten, ein ungewisses Schicksal erwartend.
Worin lag mein Denkfehler? Ich wusste es nicht.
Meine Gedanken kehrten zurück zu den Studien auf dem Gebiet des Vampirismus. Gemeinsam hatten wir Jagd auf die nächtlichen Kreaturen gemacht. Unser Erfolg war beträchtlich. Tagsüber, wenn die Kreaturen schliefen, beförderten wir sie geradewegs in die Hölle. Theodor Master, mein Freund. Theodor, der Vampirjäger mit Gewissen und Moral. Im Gegensatz zu mir.
Mein Kampfgefährte verstarb durch meine eigene Hand, er hatte sich an meinen dunklen Leidenschaften gestört. Die Leidenschaften, die mich erst in die Fänge des Vampirs gebracht hatten.
Modred. Er war mein Lehrmeister gewesen, mein Herr, ohne dass ich von seiner besonderen Natur wusste.
Ironischer Weise teilte ich das Schicksal Theodors. Auch er starb unter morbiden Händen, erfuhr am eigenen Körper meine besondere Bestimmung, den Zwang zu quälen und zu töten. Nie werde ich seine Schreie vergessen, sein Flehen nach dem Tod, die Aufrichtigkeit seiner Gefühle, der Geruch nach Angst und Schrecken. Doch nützte mir der Geschmack der Erinnerung nur wenig.
Jetzt war ich in den Händen der Kreatur gefangen, die den Gesetzen der Nacht nicht folgen musste. Scheinbar gab es zwei verschiedene Arten von Blutsaugern, und Modred gehörte zu denen, die auch am Tage wandelten, schier den Menschen verhöhnten in ihrer Ähnlichkeit. Doch diese Erkenntnis würde mir nun nicht mehr helfen, sie kam schlicht und ergreifend zu spät.
Der Blutsauger knüpfte dort an, wo er bei meiner Frau aufgehört hatte, und es schien ihm ein besonderes Vergnügen zu bereiten, sich an mir gütlich zu halten. Gerade die Enge unserer vergangenen Beziehung schien ihn mit besonderem Amüsement zu erfüllen, gab der Situation die pikante Note.
Ich verstand ihn, wenn seine Art von Humor mir auch im Moment wenig Vergnügen bescherte. Wir waren Brüder im Geiste, wenn mir die Rollenverteilung auch nicht behagte, mein Drehbuch hätte anders ausgesehen. Doch war mein Einfluss darauf erloschen. Endgültig.
Der Vampir beherrschte das Handwerk der Folter, niemals hätte ich mir solche Qualen vorstellen können, niemals selbst diese morbide Perfektion erreichen können. Unbewusst musste ich ihm Respekt zollen, verwandte Seelen, die wir waren. Brüder im Geiste, der gleichen, düsteren Passion nachhängend. Ich hatte meinen Meister gefunden. Und haderte mit meinem Schicksal.
Musste er mir zuvorkommen?
Meine Gedanken schweiften ab, ich flüchtete in den tröstenden Hauch der Phantasie. Ich sah meine Frau nackt in Ketten hängen. Zarte Schnitte in ihre Haut ließen den roten Lebenssaft fließen, ein erregendes Muster auf ihrer Haut zeichnend. Salzwasser zerstörte das Kunstwerk und wusch ihren weißen Körper rein. Sie wand sich, doch es gab kein Entkommen. Ihre spitzen Schreie ließen mich erglühen. Die Intensität ihrer Qual steuerte meinen Adrenalinspiegel. Meine Erregung stieg, als ich die Zangen bereitlegte. Bereit, ein neues Kapitel morbider Perfektion zu eröffnen.
Wie hatte ich mir ihre Qual ausgemalt während unserer zweijährigen Ehe. Sie hatte an die Illusion des sensiblen und treuen Ehemanns geglaubt. Ich genoss das Spiel, perfektionierte die Rolle als toleranter, sanftmütiger Mann. Immerzu überschüttete ich sie mit Rosen, sie blühte auf, badete in meinen Komplimenten.
Ich war ihr ein sanfter Liebhaber. Niemals drängend oder die eigene Befriedigung im Vordergrund. Ihr Körper erbebte unter meiner zärtlichen Berührung. Meine Hände streichelten sanft ihre Venushügel, die Vorstellung der Nadeln in ihrer Brust brachte mich fast zum Verströmen. Meine morbiden Gedanken, gepaart mit der Sanftheit meines Handelns, machten den sexuellen Akt mit ihr zu einem Kunstwerk, dessen erotische Spannung mich schier um den Verstand brachte.
Doch der Höhepunkt dessen, die Verwirklichung meiner geheimsten Gedanken, blieb mir versagt.
Ich hatte das langsame, qualvolle Sterben meiner Frau minutiös geplant, doch die dunkle Kreatur zerstörte mein Vorhaben. Der Vampir kam mir zuvor und badete an meiner Stelle in dem Leid meiner Angetrauten.
Als ich ihre geschändete Leiche fand, verspürte ich eine nie gekannte Wut. Der purer Hass schien durch meine Adern zu fließen, mein ganzes Sein konzentrierte sich darauf, den Verursacher aufzufinden. Nicht aus Liebe, die Enttäuschung über entgangene Freuden brachte mich in Rage, ließ mich jegliche Vernunft vergessen. Hatte ich sie doch gerade aus dem Grund geheiratet, um ein neues Kapitel der sadistischen Perfektion zu schreiben. Zwei Jahre, in denen ich meine Phantasie zu einem perfekten Werk gewoben hatte, bereit, den letzten Akt dieses Meisterstückes zu vollenden. Und dann kam Modred mir in letzter Sekunde zuvor.
Ich dachte noch weiter zurück. Meine Frau war beileibe nicht mein erstes Opfer gewesen. Es fing an, als der Wechsel vom Jüngling zum Mann vollzogen war. Es kam einfach so über mich, ich war schockiert über die Abgründe, die in den Tiefen meiner Seele schlummerten. Ich empfand nachher weder Ekel noch Reue, nur ein unbändiges Gefühl der Befriedigung. Und es wurde von Mal zu Mal besser, die Qualität der Empfindung stieg in ungeahnte Höhen, meine Fertigkeiten wurden immer ausgereifter, ich wurde ein ungekrönter König der Folter.
Es wäre so leicht gewesen, meine Frau einfach zu vergessen, und sich ein neues Opfer für meine dunklen Begierden zu suchen. Es gab sie wie Sand am Meer, die unschuldigen, naiven Mädchen, die ihr Glück in der weiten Welt suchten. Und ich hatte ihnen einiges zu bieten, den sehnlichsten Wunsch nach Ruhm und Erfolg.
Diese nichts ahnenden Küken.
Ihr Traum vom werdenden Star wurde ihnen zum Verhängnis. So leicht verstrickten sie sich in meinem Netz, ich brauchte nicht einmal besonders vorsichtig zu sein. Ein paar Fotoaufnahmen, veröffentlicht in drittklassigen Magazinen, ein kurzer Spot zu einem billigen Produkt, schon sahen sie sich in Hollywood, weinend den Oscar entgegennehmend, ihr Portrait auf der ersten Seite jeder renommierten Tageszeitung. Doch diesen Traum zerstörte ich brutal, das Einzige, das blieb, war die traurige Hauptrolle in meinem perfiden Spiel.
Meine Beziehungen waren sehr hilfreich, sorgten für steten Nachschub an willigen Opfern. Und ich war ein Könner. Die Polizei kam mir nie auf die Spur, bei den wenigen Malen, als verräterische Hinweise gefunden wurden, fand ich Mittel und Wege, sie aus dem Wege zu räumen. Anfangs dank Modred, alleine wäre meinem Treiben schnell ein Ende gesetzt worden. Doch wie ich durch meinen Mentor herausfand, gab es eine richtige Szene, die ähnliche Neigungen wie ich verspürte.
Diese Leute gingen nicht so weit wie ich, ihr Mut beschränkte sich auf den reinen Konsum dieser Vorgänge. Fortan filmte ich meine Taten, dafür deckte mich die Organisation und ermöglichte mir eine sonst nie möglich gewesene Karriere. Der Geldfluss wuchs zu einem harmonischen Strom und ermöglichte es mir, mich ausschließlich meinen dunklen Neigungen hinzugeben.
Einzig Modred, mein Pate, wurde von mir mit jungfräulichen Gespielinnen versorgt. Zur Befriedigung seiner sexuellen Gelüste. So dachte ich.
Und fiel aus allen Wolken, als ich die Wahrheit erfuhr. Die Wahrheit über seine Neigungen und sein wirkliches Wesen. Würden seine damaligen Opfer ebenfalls des Nachts auf der Jagd nach Blut sein? Oder wurde ihrem Leben ein Ende gesetzt? Doch all dies war jetzt Vergangenheit, unwiederbringlich verloren.
Um mein Vergnügen gebracht war ich nun selbst Opfer einer morbiden Leidenschaft. Hätte ich doch auf Modreds Warnungen gehört und mir eine neue Gespielin zugelegt. Doch mein verletzter Stolz trieb mich in Modreds grausame Arme. Ich hatte meine Quittung erhalten.
Wie würde ich enden? Als Kreatur der Nacht oder als im Erdreich verfaulender Leichnam?
Eine Schmerzwelle brachte mich in die Gegenwart zurück. Meine Eingeweide baumelten herum, meine Arme waren so oft gebrochen, dass eine Bewegung dieser Gliedmaßen meine Qual ins Unermessliche steigerte. Die Hoffnung war erloschen, bald würde es endgültig vorbei sein. Die düstere Seite meiner Seele war mir zum Verhängnis geworden.
Mein Blick richtete sich nach vorne. In der Dunkelheit sah ich die blutverschmierten Eckzähne näher kommen, langsam, bis sie meinen Hals erreichten und ein scharfer, süßer Schmerz die allgegenwärtige Pein verminderte. Ich sah in dunkle Augen, in denen sich unverhohlen die Gier spiegelte, die Gier nach Blut, die Gier nach Emotionen.
Doch auch diese Empfindung verlor an Bedeutung, die Gewichtungen verschoben sich. Ein Gefühl der Zuneigung erfasste mich. Ich würde mit meiner Lebenskraft sein Selbst stärken, bereitwillig sank ich in seine Arme und erleichterte ihm den Trank. Ein Hauch von Bedauern streifte meine Seele, ihm nur eine kurze Weile zu Diensten zu sein. Das Gesicht meines Peinigers verschwamm, bevor mich ein unbeschreibliches Glücksgefühl durchströmte. Und meine Empfindungen verblassten.

Regungslos stand er am Abgrund, eine mächtige, unheimliche Gestalt, beschienen vom sanften Licht des Mondes. Der Wind zerrte an seinem langen, roten Haar, verdeckte zuweilen sein markantes Gesicht. Er war groß und stark, wie ein mächtiger Fels in der Brandung. Er genoss die Macht der Natur, fühlte die unbändige Kraft der Elemente, seine Sinne in die Ferne gerichtet.
Am gegenüberliegenden Flussufer packte die Katze ihr Opfer und spielte ein wenig mit ihm. Er fühlte sich ihr verbunden, Geschwister im Geiste, dabei war er von gänzlich anderer Art.
Sie besaßen die gleiche Passion, waren sich ähnlicher, als der äußere Schein es erahnen ließ. Auch er spielte mit seinen Opfern, die Symphonie der Angst berauschte sein Inneres und erhitzte sein Blut.
Noch immer kostete er den Geschmack der Qual, wenn auch der Körper seines Opfers schon zunehmend die Wärme des Lebens verlor. Dieser Narr wollte ihn vernichten, den Tod seiner Frau rächen, welche Naivität diese schwache Spezies Mensch besaß. Dieser Mann wollte ihn herausfordern, ihn, das dunkle Wesen mit der Macht eines Gottes.
Er war Modred, Gebieter über eine dunkle Heerschar von Geschöpfen der Nacht. Unsagbar alt, begleitete er die Geschicke der Menschheit seit Anbeginn der Zeiten, hatte unzähliges Leid über ihresgleichen gebracht. Er, die mächtige Inkarnation des absoluten Bösen. Der Letzte seiner Art. Sein Opfer würde einer der vielen Namenlosen werden, die vom Keim beseelt ein dunkles Leben führten und ihm als Armee dienten. Einer von denen, deren Reihen er vorher so hingebungsvoll dezimiert hatte. Eine Ironie der besonderen Art.
Modred würde ihn im Auge behalten, hoffnungsfroh seinen Aufstieg bewachen. Würde er seine Fähigkeiten und Qualitäten über den Tod hinaus retten?
Sein Mund umspielte ein grausames Lächeln. Wie sehr hatte er sie genossen, die tiefen Abgründe in der Seele seines Opfers. Auch er war ein Bruder im Geiste gewesen, ähnlich der Katze. Und die dunkle Seite der Seele berauschten seine Sinne. Machte den Trank seines Lebenselixiers zu einem Tropfen unvorstellbarer Güte. Doch das Gefäß war versiegt. Und der edle Geschmack verblasste, langsam, aber unaufhörlich. Es blieb ein unersättlicher Hunger, der Hunger nach Blut.
Ein letztes, aufrechtes Bedauern bei dem Gedanken an sein Opfer. Er hatte so viel Zeit und Energie investiert, musste dieser Trottel größenwahnsinnig werden? Kannte er denn keine Dankbarkeit für seinen Herrn?
Modred hatte ihm dieses Leben ermöglicht. Gab ihm die Macht, seinen sadistischen Neigungen nachzugehen. Ohne seine Beziehungen hätte dieser armselige Wicht nie diese dunklen Orgien feiern können.
Er war zufällig auf ihn aufmerksam geworden, hatte ihn verträumt lächelnd vor der blutverschmierten Frauenleiche gefunden. Modred verwischte die Spuren und brachte ihn zur Besinnung.
Seitdem führte er ihn mit unsichtbarer Hand. Ein Mentor für den Erwachenden, einen besseren Lehrmeister hätten dieser nie finden können. Er gab ihm beruflichen Erfolg, versorgte ihn mit Geld, im Gegenzug erwartete er nichts weiter, als regelmäßig Opfer präsentiert zu bekommen.
Doch statt Dankbarkeit zu empfinden, versuchte er das Unmögliche. Seinen Herrn zu vernichten. Alles nur wegen seines verletzten Stolzes, dabei war es Modreds ureigenstes Recht gewesen, dessen Frau für sich in Anspruch zu nehmen. Und kein Menschenwurm würde ihm dieses Anrecht streitig machen. Natürlich wusste sein Opfer damals nichts über Modreds Natur, aber er hatte ihn früh genug gewarnt. Und niemals mit Ungehorsam gerechnet.
Seine Gestalt straffte sich. Die Zeit des Jagens war gekommen.
Blaue Augen blickten suchend umher, und es dauerte nicht lange, bis er sein nächstes Opfer erspäht hatte. Er leitete die Verwandlung ein, breitete die Schwingen aus und erhob sich in die Lüfte. Nach wenigen Augenblicken verschmolz er mit der Nacht. Die Jagd begann erneut und ein weiterer Unschuldiger würde unsagbares Leid erfahren und seine Kraft stärken. Wie Unzählige vor ihm. Modred Schreie der Vorfreude erhellten die Nacht und kündeten vom Unheil der Menschen.

13. Feb. 2009 - Michael Schmidt

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