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Weltraum-Seifenopern, mordende Schönheiten und zwielichtige Geheimnisse

Interview mit Erik Albrodt, geführt von Florian Hilleberg am 23. Okt. 2008.


Erik Albrodt Erik Albrodt
Hallo Erik, vielen Dank für die Zeit, die Du meinen Fragen opferst.
Kommen wir gleich zur Sache: Was treibt einen Menschen dazu sich Geschichten auszudenken und sie statt als Buch, als Hörspiel zu verwirklichen?


Ist das tatsächlich so ungewöhnlich? Warum schreibt man Briefe, warum führt man Tagebücher? Man will anderen etwas über sich mitteilen. Oder die Ideen, die man hat, mit anderen teilen. Ich habe auch schon Bücher geschrieben, aber nie veröffentlicht, weil sie als vollkommene Eigenleistung zu sehen sind. Dafür bin ich zu schlecht. Aber bei einem Hörspiel arbeite ich mit vielen Menschen zusammen. Das Endprodukt spiegelt die Leistung aller Beteiligten wider. Und im Team fühle ich mich am wohlsten. Man steht nicht alleine, man kann sich auf andere stützen, andere verlassen sich auf mich. Und wenn ich dann noch die Gelegenheit habe, ein Medium, das mich seit Jahrzehnten begeistert, selbst mitgestalten zu können, so bietet das eine unglaubliche Befriedigung, sofern man auf dem Teppich bleibt und sich nicht als Maß aller Dinge betrachtet.


Was reizt Dich an dem Medium Hörspiel?

Die Möglichkeit, eine Welt mit einfachen Mitteln zu erschaffen. Meine Vorstellungen als Film zu realisieren, wäre unbezahlbar. Für ein Buch bin ich zu untalentiert. Was bleibt denn da noch?


Mit Deinem Sohn Christopher hast Du die Science-Fiction-Serie GENERATION 6 entwickelt, die bei der Hörfabrik läuft. Worum genau geht es da?Y
GENERATION 6 ist der Name einer Raumstation. Sie ist das Ausbildungszentrum für Jugendliche, die als Piloten oder Wissenschaftler der Menschheit den Weg ins Universum bereiten sollen. Gespickt ist das ganze mit allerlei Space-Action-Kram, den man auch von einer Science-Fiction-Story erwartet. Als Besonderheit haben wir aber den Soapcharakter in die Geschichte eingeführt. Dadurch konnten wir auch mal herrlich kitschig sein. Intrigen spinnen, Sex und Eifersucht einbauen und hatten damit eigentlich etwas ganz Neues und Eigenständiges geschaffen.


Das Konzept scheint sehr innovativ zu sein. Wie geht es in Zukunft mit GENERATION 6 weiter?

Ich sitze am Endschnitt von Folge 7, die das Staffelende von Staffel 2 darstellt. Folge 6 (Gabriel) ist zur Zeit im Presswerk und Folge 7 (Vertrauen) muss im Dezember erscheinen, weil es eine Weihnachtsgeschichte ist. Y
Staffel 1 hatte die größten Handlungsstränge zu einem Ende geführt. Mit Staffel 2 konnte ich daher zum Teil neu aufsetzen. Ich habe fast den gesamten Sprechercast ausgetauscht und konnte neue Figuren einführen.
So ist die Delta-Radio-Moderatorin Kaya Lass neu an Bord, die den Counterpart von Major Parker spielt und sich permanent mit ihm streitet. Das dabei auch noch eine gewissen sexuelle Spannung in der Luft liegt, dürfte jedem klar sein, der meine bekloppten Ideen kennt.
Alex, der ja heftigst mit Imiko liiert ist, muss sich ab Folge 6 einer vollkommen neuen Situation stellen, die wir ganz herrlich für tränenreiche kitschgeschwängerte Szenen verwenden konnten, um den in Folge 5 fehlenden Soapcharakter wieder mehr gerecht zu werden.
Doktor Marrow (Horst Kurth) bleibt weiterhin dabei, wobei man nie weiß, ob man ihm wirklich trauen kann. Er bekommt aber auch eine neue Figur an seine Seite: Die Schülerin Shirin A. Wie sich das zwischen den beiden entwickelt, kann ich noch nicht sagen. Aber nett war die Anmerkung, die die Sprecherin von Shirin (Fromut Lepthien) im Studio gemacht hat: „Sag mal, Albrodt: Was läuft da eigentlich zwischen dem Doktor und Shirin?“ Scheinbar kann man aus dem Skript schon mehr rauslesen, als in meinem Kopf bereits weitergesponnen wird.



Mit „Killing Beauties“ hast Du auch ein Hörspiel im Genre Actionkrimi veröffentlicht. Gab oder gibt es Pläne die „Killing Beauties“ als Serie zu produzieren?

Y„Killing Beauties“ macht mich gleichzeitig stolz und traurig. Die Story hat auf jeden Fall genug Potenzial, um noch weitere Fortsetzungen nach sich zu ziehen, keine Frage. Aber bereits die Aufnahmen dazu haben mehr gekostet, als eine einzelne Folge der „Twilight Mysteries“. Wenn man Profisprecher hat, so kosten die eine Menge Geld, was aber durch die Qualität gerechtfertigt ist. Man spart dafür an Studiozeit und damit Miete.
Wenn man aber mit Amateuren bzw. Semiprofis arbeitet, so braucht man für jede Rolle bis zu fünf Mal länger im Studio. Und bei über 20 Sprechrollen hat man ratzfatz 50 Stunden Studiomiete zusammen. Am Ende klang das Ergebnis wirklich klasse, war spannend, witzig und man hört den Sprechern Stephan von Braun (der übrigens überall das meiste Lob abkassiert hat), Annika Weitershagen und Martinique Konhäuser den Spaß an den Rollen an. Ich bin überstolz auf „Killing Beauties“.
Aber der reine Internetvertrieb war bei diesen Produktionskosten völliger Blödsinn und für mich finanziell desaströs. Das ist, was mich traurig macht und jeden weiteren Gedanken an eine Fortsetzung vorerst abblockt.



Am 24. Oktober 2008 erschien Deine neue Serie TWILIGHT MYSTERIES (TM) in Deinem eigenen Label Daydream Factory.
Worum geht es bei TM?


YEs geht um das Team von Doktor Zephyre (gespielt von Thomas Nero Wolff). Zephyre ist Wissenschaftler und hat sich der Erforschung von übernatürlichen Phänomenen verschrieben. Er ist zynisch und gelegentlich sogar ein wenig skrupellos. Ihm zur Seite steht Nina Salenger (gesprochen von Kellina Klein), eine junge Frau, die mit einem losen Mundwerk und viel Mut ausgestattet ist, und dadurch die Lösung der Fälle vorantreibt, aber ebenso oft über’s Ziel hinausschießt und sich und andere in Gefahr bringt. Und als drittes ist da Dave Edwards (gesprochen von Kim Hasper), ein Student von Zephyre, der allerdings mehr Muskeln als Köpfchen hat und so für die Komik in der Serie sorgt. Zwischen den dreien besteht ein eigenartiges Verhältnis, das die Figuren miteinander verbindet und auch im Laufe der drei Folgen weiter ausgebaut wird. So bleiben die Charaktere spannend und gewinnen Tiefe.
In jeder Folge muss sich das Team einem Phänomen stellen, das es zu erforschen gilt. Dabei liegt das Augenmerk nicht auf Monster oder anderen bekannten Gruselgestalten. Das hat man schon tausend Mal gehört. Ich versuche, einige neue Bedrohungen zu erschaffen. Und wenn dann noch die exzentrischen Charaktere des Zephyre-Teams ins Spiel kommen, hat man eine Kombination aus Grusel, Action, Krimi, Fantasy und Humor, was für genug Kurzweil sorgen dürfte.



Wie kam es zu der Verwirklichung der Serie?

Ich bekam die Nachricht meiner Bank ins Haus, dass mein Sparvertrag fällig wird. 7 Jahre Gespartes liebäugelten mich an und haben mich nach „Killing Beauties“ wieder zu Skriptaktivitäten animiert. Ich wollte von vornherein eine Serie mit Profisprechern machen.
Ich habe einige Skripte geschrieben (wobei nicht alle vertont wurden), und habe mich dann auf die Sprechersuche gemacht. Man erstarrt vor Ehrfurcht, wenn man die ersten Male bekannte Synchronstimmen am Telefon hat. Und als dann der erste Sprecher zusagte, war auch kein Halten mehr. Viele Sprecher haben erst zugesagt, Yals ich mit wenigstens einem bekanntem Namen aufwarten konnte, der mich unterstützte. Das wirkt wohl seriöser.... Und so zog das seine Kreise. Vom Tonstudio TonInTon (Berlin) kamen weitere Empfehlungen und über Simeon Hrissomallis von der Russel & Brandon-Company (FAITH) konnte ich durch nachfolgende Termine im Tonstudio (was Zufall war und nicht abgesprochen), Sprecher mit ihm austauschen.
Und ehe ich es mich versah, war ich in Berlin und habe die Aufnahmen zu drei Folgen von TWILIGHT MYSTERIES im Kasten gehabt.



Mit GENERATION 6 (Science-Fiction) und „Killing Beauties“ (Actionkrimi) hast Du zwei Projekte verwirklicht, die auf dem Hörspielmarkt recht neu sind. TWILIGHT MYSTERIES kann man im weitesten Sinn als Horror klassifizieren. Wieso hast Du Dich für ein Genre entschieden, das den Markt geradezu überschwemmt?

Ganz ehrlich? Keine Ahnung! Ich habe das nicht bewusst geplant, sondern einfach das gemacht, wozu ich zu diesem Zeitpunkt gerade Bock hatte. Mir war einfach danach. Außerdem habe ich mit der Planung der Serie vor 2 Jahren begonnen. Da war die Schwemme noch nicht in Sicht.
Und als Horror würde ich die „Mysteries“ nicht bezeichnen wollen. Ich habe natürlich Horrorelemente drin, diese bestimmen aber nicht den Charakter des Hörspiels.



Die ersten Folgen scheinen in sich abgeschlossen zu sein. Wird es später Geschichten geben, die aufeinander aufbauen?

Nein. Ich bin fortsetzungsmüde und denke, dass es auch vielen anderen so geht. Eine schöne Geschichte wird nicht besser, wenn man sie auswalzt.


Wie viele Episoden sind geplant?

Erst mal wünsche ich mir, dass die drei produzierten Folgen überhaupt alle rauskommen und nicht im Markt untergehen. Dafür haben wir (Thomas Birker und ich) uns fast ein Jahr Zeit gegeben. Wenn sich abzeichnen sollte, dass die Serie angenommen wird, dann denke ich an neue Folgen. Im Kopf habe ich genug.


Bei dem Projekt TM haben Dich viele Hörspielproduzenten, wie Thomas Birker, Simon Hrissomallis, Wolfgang Strauss und Horst Kurth unterstützt. Wie kam es zu solch einem Gemeinschaftsprojekt?

YZu Horst Kurth besteht ja seit GENERATION 6 eine enge freundschaftliche Beziehung. Da ich ihn als Sprecher schätze und aus seinem Pool auch den genialen Oliver Theile zur Verfügung hatte, wäre es dumm gewesen, diese Möglichkeit nicht zu nutzen.
Simon Hrissomallis hat mich angerufen, als er von TonInTon gehört hat, dass wir beide in der selben Woche dort Studioaufnahmen terminiert haben. Er hat einfach angefragt, ob wir vielleicht Sprecher miteinander tauschen könnten. Und von ihm habe ich so viele gute und brauchbare Tipps bekommen, ohne die ich aufgeschmissen gewesen wäre. Wolfgang hat dann auch für mich einige Sätze gesprochen.
Thomas Birker habe ich damals auch in Berlin getroffen und von meinem Projekt erzählt. Als nach einem Jahr aber nichts davon auf dem Markt zu finden war, hat er mich angerufen und nachgefragt. Ich war eigentlich auf der Suche nach einem Verlag, weil ich mir Marketing und Vertrieb nicht leisten konnte. Mein Budget war aufgebraucht. Mittlerweile war ich fast überall abgelehnt worden, weil die Hörspielschwemme inzwischen spürbar auf die Absatzzahlen drückte und man Angst vor Experimenten mit jungen Produzenten hatte. Thomas hat mir auf der Hörspielmesse dann ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen konnte. (Wenn wir uns mal treffen, zeige ich Dir die Narbe) *LOL*



Wie sieht es in Zukunft mit dem Programm der Daydream Factory aus? Sind da bereits weitere Projekte in Planung?

Ich kann zur Zeit noch nicht planen, bis sich die finanzielle Situation dafür wieder eingestellt hat. Aber da drücken wir uns alle gemeinsam die Daumen.


Wie lange brauchst Du, bis Du mit einem Skript zufrieden bist?

Oh, verdammt. Mein Problem ist eher, dass ich mit einem Skript viel zu schnell zufrieden bin. So habe ich „Killing Beauties“ innerhalb von 2 Tagen geschrieben. Meine Unzufriedenheit stellt sich dann leider erst beim Schneiden ein, wenn ich höre, was ich da für einen Käse zusammengeschrieben habe.


Was ist dem Menschen Erik Albrodt wichtig?

Ganz klar: Dass es meinen Kindern gut geht. Alles andere ist unwichtig, wie ich festgestellt habe.


Erik, vielen Dank für das Interview, und viel Erfolg für Deine zukünftigen Projekte.
http://www.daydream-factory.de/
© http://www.daydream-factory.de/


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