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Fest strukturiert und Schreiben passt für mich nur begrenzt zusammen.

Interview mit Antje Backwinkel, geführt von Alisha Bionda am 22. Mar. 2014.


Dieses Interview ist Teil der Kolumne:

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A. Bionda
5 Beiträge / 61 Interviews / 20 Kurzgeschichten / 16 Galerie-Bilder vorhanden
Antje Backwinkel Antje Backwinkel
Alisha Bionda führte via Mail ein umfangreiches Interview mit Antje Backwinkel, deren Roman SATI vor Kurzem in der Mystery-Reihe GAIAS SCHATTEN im TextLustVerlag erschien.

A.B.: Liebe Antje, zuerst möchte ich Dir einige persönliche Fragen stellen, damit Dich die Leser besser kennen lernen: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen?
A.B.: Wenn ich nur ein Wort zur Beschreibung verwenden dürfte, würde ich sagen: ich bin faul. Zutieftst. Und zwar so tief im Inneren, dass man Außen nicht viel davon merkt. Aber ein Teil von mir liegt immer in einer Hängematte irgendwo am Meer und schaut den Wellen zu. Das macht mich vor allem zu einem pragmatischen Menschen - ich rege mich nicht über Dinge oder Menschen auf, weil sie so sind, wie sie sind. Außerdem versuche ich alles von Grund auf zu verstehen, ein Prinzip zu durchschauen, und investiere viel Zeit in Lernen - zum einen weil es mich effektiver und damit wiederum meine faule Seite glücklich macht, aber auch weil ich mehr Spaß daran habe, wenn ich bei der Sache bin.

A.B.: Was zeichnet Dich in Deinen Augen aus?
A.B.: Ich kann andere gut so sein lassen, wie sie sind. Außerdem bin ich sehr beharrlich, wenn ich etwas wirklich erreichen will. Und ich habe keine Zweifel, dass ich meine Ziele oder Träume auch verwirklichen kann, wenn ich dranbleibe.

A.B.:  Was magst Du, und was eher nicht?
A.B.: Kakerlaken im Badezimmer, Bettwanzen in der Matratze … und auf der anderen Seite natürlich Sonnenuntergänge am Meer. Was ich beim Schreiben mag sind Bandwurm- und Schachtelsätze, allerdings nicht die dazugehörigen Kommaregeln. Aber mal im Ernst – die Antwort auf beide Fragen ist eigentlich: Menschen. Sie können fürchterlich nerven, sind aber auch unglaublich faszinierend und berührend.

A.B.: Welche Hobbies hast Du?
A.B.: Lesen, Schreiben, Tanzen und Poi spielen. Reisen stand sicher lange oben auf der Liste. Ich war viel in Asien unterwegs und habe lange dort gelebt – und zwar vom untersten Backpackerniveau bis hin zum High End Lifestyle. Ich bin aber gar nicht mehr so sehr darauf aus Neues zu sehen und zu entdecken, sondern vielmehr in einer schönen Umgebung das zu tun, was ich am liebsten mache: Lesen, Schreiben, Tanzen und wenn Platz ist auch Poi spielen.

A.B.: Wolltest Du immer schon Schriftstellerin werden oder war es eher eine Folge Deiner persönlichen Entwicklung?
A.B.: Als Kind war es tatsächlich mein Traumberuf. Schauspielerin stand auch mal oben auf der Liste und eine Zeitlang Ornithologin – aber das eigentlich nur, weil ich so stolz war das Wort zu kennen und mich gefreut habe, wie den Erwachsenen die Gesichtszüge entglitten sind. Dann stand lange etwas anderes auf der Prioritätenliste, aber heute hätte ich durchaus nichts dagegen, ausschließlich Geschichten zu schreiben. Mal sehen, wie es sich weiterentwickelt.

A.B.: Wann hast Du zu schreiben begonnen?  Und womit?
A.B.: Das erste Mal, dass ich - von Schulaufsätzen mal abgesehen -, mit etwas Geschriebenem an die Öffentlichkeit gegangen bin, war ich zwölf Jahre alt. Ich habe eine Kurzgeschichte über Kreuzritter und Judenverfolgung im Mittelalter geschrieben – und zwar für einen Wettbewerb, bei dem „junge Autoren“ über ihre Stadt schreiben sollten. Ich habe damit sogar den zweiten Platz belegt und 800 DM eingestrichen. Nichtsdestotrotz habe ich den damals so hoffnungsvoll erscheinenden Weg erst mal nicht weiter beschritten. Vor einigen Jahren hat es mich dann wieder gepackt. Ich habe mit Kurzgeschichten angefangen und mich, was die Textlänge angeht, langsam hochgearbeitet. Inzwischen reizt mich aber auch Kurzprosa und Lyrik.

A.B.: Hast Du eine fest strukturierte Methode, wie Du ein Projekt umsetzt?
A.B.: Fest strukturiert und Schreiben passt für mich nur begrenzt zusammen. Aber ohne Strukturierung geht es bei einem Roman nicht, sonst verliere ich den roten Faden. Ich orientiere mich gerne an den Elementen der Schneeflockenmethode, wobei der Zeitpunkt wann und welche Übung ich mache sich aber natürlich von selbst ergibt. Meistens fange ich aufgrund einer vagen Idee an zu Schreiben und schaue dann nach den ersten zwanzig Seiten, wo das Ganze hinführen könnte, entwerfe einen groben Plot, reduziere den dann wieder auf eine Grundidee. Nach und nach zeichnen sich die Personen klarer ab, werden ausgearbeitet und bekommen eine Hintergrundgeschichte. Manchmal fange ich auch mit den Personen an, oder es ist zuerst die Grundidee da. Je weiter ich in der Geschichte komme, desto mehr wird zwischendrin angepasst, neu ausgerichtet, erweitert und wieder zusammengekocht. So entwickeln sich die Geschichten organisch, ohne dass ich den Überblick verliere.

A.B.: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsüber, lieber abends/nachts? Wie sieht Dein Tagesablauf aus?
A.B.: Ich bin ein sehr unorthodoxer Schreiber und mache im Wesentlichen genau das Gegenteil von dem, was die Schreibratgeber empfehlen. Das heißt, ich habe KEINE feste Routine und ich behalte mein Projekt während des Schreibens auch NICHT für mich, sondern teile es mit Testlesern, rede mit Freunden darüber, poste Fragen in Foren, usw. Durch dieses teilen wird die Begeisterung wachgehalten, ich bekomme Ideen und Inspirationen und schreibe dann aus dieser Laune heraus, wenn mir etwas in den Sinn kommt und zeitlich passt. Da ich selbstständig bin und auch für meinen Brötchenjob viel am Rechner sitze, fließen im Laufe des Tages so einige Ideen, Dialogfetzen und sonstige Textfragmente in die Tastatur. Es kommt aber auch vor, dass ich tagelang nichts schreibe, obwohl ich mit dem Projekt beschäftigt bin, und mich dann hinsetze und lange Blöcke am Stück schreibe. Für mich funktioniert es so am besten. Die Antwort ist daher: immer und überall – oder eben auch nicht.

A.B.: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst?
A.B.: Natürlich habe ich gerne meine Ruhe zum Schreiben. Klingelnde Telefone sind dabei einfach nicht hilfreich. Am liebsten ist mir auch, wenn ich zwischendrin den Blick schweifen lassen kann und Natur sehe. Zuhause sind das einige Baumwipfel aus dem Fenster, im Urlaub das Meer. Musik kann ein ganz wesentlicher Faktor sein, um in eine bestimmte Stimmung zu kommen, wobei das aber nicht für jeden Text gleich wichtig ist. Und am liebsten habe ich viel Zeit und keine anderen Dinge anstehen, die meine Aufmerksamkeit erfordern.

A.B.: Arbeitest Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt?
A.B.: Im Wesentlichen arbeite ich gerne ausschließlich an einem Projekt. Es kann sein, dass ich mal einen kürzeren Text oder auch eine Kurzgeschichte parallel zu einem Romanprojekt schreibe, zwei große Projekte nebeneinander würde für mich aber nicht funktionieren.

A.B.: Welchen Genres ordnest Du Dich zu? Und welches reizt Dich am meisten?
A.B.: Ich will Romane schreiben, die lustig und unterhaltsam sind, gleichzeitig aber auch anrühren und Weisheiten vermitteln. Es geht daher in Richtung Erkenntnis- oder Entwicklungsroman, wobei das aber in meinen Ohren sehr ernst klingt, und das ist es nicht. Grundsätzlich mag ich eine Prise Fantastik. Mein letztes großes Projekt spielte vor einen historischen Hintergrund – solange man es nicht selbst probiert hat, hat man keinerlei Vorstellung davon, WIE aufwendig die Recherche ist, wenn man nicht auf Klischees zurückgreifen will. Der Zahn ist mir gezogen – Hut ab vor allen, die davor nicht kapitulieren. Momentan schreibe ich an einer Art Roadmovie, der vom Stil her an „Mieses Karma“ oder „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ erinnert und habe einen Heidenspaß damit.


A.B.: Jüngst ist im TextLustVerlag Dein Roman SATI als fünfter Band der Reihe GAIAS SCHATTEN erschienen. Schilder uns doch bitte mal, was den Leser darin erwartet.
A.B.: Die Protagonistin ist eine Studentin, die plötzlich Wahnvorstellungen entwickelt und glaubt, sie verbrenne. Weil sie nicht an einen Erkrankung, sondern an einen Fluch glaubt und sich Hinweise auf einen mysteriösen Ursprung ihrer Symptomatik in der Familiengeschichte häufen, macht sie sich auf die Reise nach Indien, um dem nachzugehen. Und Indien hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten, wie sie hautnah erlebt.

A.B.: GAIAS SCHATTEN ist ein gemeinsames Projekt der “Geschichtenweber” und des TextLustVerlages”. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem TextLustVerlag?
A.B.: Der TextLust Verlag hat das Projekt auf LITERRA ausgeschrieben und da es mich auf Anhieb angesprochen hat, habe ich mitgemacht. Als ich die Nachricht bekommen habe, dass „Sati“ in der Reihe erscheinen wird fing die Zusammenarbeit mit dem Verlag an. Mein großes Kompliment und ein dickes Dankeschön für das fantastische und sehr umfassende Lektorat, die Cover und alles andere, was für die Reihe in Gang gesetzt worden ist, beispielsweise die Podcasts. Der TextLust Verlag ist wirklich auf Zack und ich freue mich sehr, jetzt zur Autorenfamilie zu gehören.

A.B.: Wie gefällt Dir das vom Atelier Bonzai entwickelte Reihenlayout? (Logo, Beschriftung …)
A.B.: Ich mag die Klarheit des Designs mit dem dunklen Hintergrund. Die Cover der Reihe wirken einheitlich und trotzdem hat jeder Band sein eigenes und charakteristisches Bild. Das finde ich sehr gelungen.

A.B.: Und treffen die Covergrafiken von Crossvalley Smith Deinen Nerv? Besonders das Deines Bandes.
A.B.: Ich finde die Graphiken sehr treffend. Jedes Bild trifft einen Kern der Geschichte oder vermittelt eine Stimmung, ohne zu viel zu verraten. Ich bin sehr glücklich mit dem Cover zu „Sati“ und denke, es macht neugierig.


A.B.: Hast Du ein Vorbild – literarisch und/oder allgemein?
A.B.: Schwere Frage, die ich letztlich mit „Nein“ beantworte. Es gab sehr viele Menschen in meinem Leben, die mich – literarisch und allgemein - inspiriert haben und sicher auch Vorbild waren, heute bin ich aber als Mensch zufrieden mit mir, meinem Weg – auch als Autor – und meinen Fehlern. Ich möchte niemand anders sein und orientiere mich daher auch nicht mehr an anderen im Sinne eines Vorbildes, dem man nacheifert.

A.B.: Liest Du regelmässig? Wenn ja, was bevorzugt?
A.B.: Ich lese querbeet, als Jugendliche quer durch die Weltliteratur, zeitweise waren es viele Historische Romane, zeitweise viel Fantasy. Momentan gehe ich nach Empfehlungen, davon viele aus Schreibratgebern oder von Freunden aus dem Autorenmilieu. Wenn eine Geschichte gut erzählt ist, spielt das wann und wo keine so große Rolle für mich – dementsprechend schwer fällt mir jetzt auch die Nennung von Lieblingsromanen und -autoren. Bücher die ich verschlungen habe finde reichen von „Das Rad der Zeit“, über „Gargoyle“, bis hin zum „Schwarm“ oder der Harry Hole Reihe von Jo Nesbo … An Autoren mag ich Eric Emmanuel Schmidt, Brandon Sanderson, … ach, so viele. Und ich habe inzwischen auch ordentlichen Respekt vor „schlechten“ Büchern.

A.B.: Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Lesern?
A.B.: Der Kontakt ist natürlich sehr wichtig, bei jedem Leser entsteht ein Text ja durch seine ganz persönliche Wahrnehmung und seine eigene Geschichte neu. Und das finde ich sehr spannend. Als Autor gibt man der Phantasie des Lesers letztlich einen Rahmen, in dem sie sich austoben kann. Und ich bekomme gerne mit, was dabei herauskommt.

A.B.: Wie gestaltet sich dieser?
A.B.: Natürlich ist man nicht mit allen Lesern im Kontakt. Ich habe aber eine Reihe von Freunden und Testlesern, mit denen ein regelmäßiger Austausch stattfindet. Und dann gibt es natürlich diverse Foren, Facebook, etc.

A.B.: Hältst Du auch Lesungen ab? Oder kann man Dich auf Cons antreffen? Wenn ja, auf welchen? Wirst Du dort ggfs auch Deinen Roman aus GAIAS SCHATTEN präsentieren?
A.B.: Bis jetzt habe ich keine öffentlichen Lesungen gehalten, sondern nur in Autorenkreisen gelesen. Auf Messen und Cons bin ich natürlich unterwegs, allerdings als Besucher, so beispielsweise auf der BuCon in Dreieich. Bisher bestehen keine konkreten Pläne „Sati“ vorzustellen, ich würde es aber nicht ausschließen.

A.B.: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt?
A.B.: Meine Familie hat mich von Anfang an bestärkt zu schreiben, besonders als Jugendliche. Nachdem ich dann lange nicht geschrieben habe, sind heute natürlich eine Vielzahl von Freunden, Kurskollegen und anderen Autoren hinzugekommen, mit denen ich mich regelmäßig austausche, wobei ich viel lerne. Insbesondere sind das drei Freunde mit denen ich mich häufig treffe, und denen ich viel zu verdanken habe. Außerdem sind da die Textwerkstatt von Kurt Drawert und ein Online-Kurs bei Lea Korte. Besonderer Dank gilt meinem Freund, der zwar kein Prosa Leser ist, mir aber im Haushalt den Rücken freihält, damit ich Zeit fürs Schreiben habe, und – wenn es dazu kommt – den kritischsten Testleser von allen abgibt.

A.B.: Zum Schluss noch die Frage: Worin siehst Du die Vor- und Nachteile in der Klein- und Großverlagsszene?
A.B.: Ich denke beides gehört in die Verlagslandschaft. Die großen Verlage haben ganz andere Möglichkeiten ein Buch zu vermarkten und zum Leser zu bringen als Kleinverlage, dafür besteht dort die Gefahr, dass die erscheinenden Bücher immer stärker genormt werden, um dem aktuellen Markt zu entsprechen. Da starke wirtschaftliche Zwänge herrschen, ist das Risiko neue Autoren und Ideen auf Papier zu bringen häufig zu groß. Das ist schade, aber auch dort werden viele Bücher, die unter dem Strich keinen Gewinn bringen, von den Bestsellern mitgetragen. Bei Kleinverlagen wird mit Herzblut gearbeitet und oft auch mit unentgeltlichem persönlichen Einsatz. Es werden Projekte verwirklicht, weil man davon begeistert ist und nicht (nur), weil sie einen hohen Absatz erwarten lassen. Ohne diesen Einsatz wäre die Bücherwelt um einiges ärmer, aber es wird mit Sicherheit auch in Zukunft nicht leichter für kleine Verlage. An dieser Stelle ein großes Lob für den Einsatz!

A.B.: Vielen Dank für das ausführliche Beantworten meiner Fragen.
A.B.: Aber gerne!


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