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Ich mag Personen mit Fehlern, ich mag selbstsüchtige Figuren

Interview mit Jennifer Armintrout, geführt von Alisha Bionda am 19. Aug. 2010.


Jennifer Armintrout Jennifer Armintrout
Alisha Bionda führte via Mail ein umfangreiches Interview mit Jennifer Armintrout, der Autorin der „Blutbande“-Serie (MIRA-Taschenbuch).

A.B.: Zuerst einige persönliche Fragen: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen?
J.A.: Ich glaube, am treffendsten wäre die Beschreibung „Ich bin genau wie Max.“ Wer die Blutsbande-Reihe gelesen hat und weiß, wer Max ist… Das bin im Grunde ich in männlicher Ausführung.

A.B.: Was zeichnet Dich in Deinen Augen aus?
J.A.: Ich glaube, ich neige dazu, mir Figuren auszudenken, die so ziemlich die selbstsüchtigsten Charaktere der Welt sind. Wenn man viele paranormale und Fantasy-Liebesromane liest, sind die Protagonisten für gewöhnlich wirklich selbstsüchtig. Aber der Autor steckt viel Zeit in den Versuch, seine Leser davon zu überzeugen, dass diese Charaktere makellos sind. Ich mag Personen mit Fehlern, ich mag selbstsüchtige Figuren. Ich finde, die sind sehr viel realistischer. Ich glaube allerdings auch, dass diese Art Realismus nicht vielen Lesern gefällt (Ich selbst würde meine Bücher beispielsweise nicht lesen). Aber für Leser, die diese Art von Literatur mögen, kann es eine angenehme Abwechslung sein.

A.B.: Welche Hobbies hast Du?
J.A.: Das Schreiben war mein Hobby und wurde zum Vollzeitjob. Also habe ich wohl kein richtiges Hobby mehr. Ich bin bloß eine Art Schreibautomat, der ab und zu Videospiele spielt.

A.B.: Wolltest Du immer schon Schriftstellerin werden oder war es eher eine Folge Deiner persönlichen Entwicklung?
J.A.: Ursprünglich wollte ich nicht Schriftstellerin werden. Meine Großmutter Peggy Hanchar ist eine Romance-Autorin. Als ich klein war, fragten mich ständig Leute: „Na, willst du Schriftstellerin werden wie deine Oma?“ Es hat mich wahnsinnig gemacht, weil ich davon überzeugt war, eine berühmte Sängerin oder Schauspielerin zu werden. Ich hätte in einer Million Jahren nicht geglaubt, ich könnte die Geduld oder Motivation haben, Bücher zu schreiben.

A.B.: Wann hast Du zu schreiben begonnen? Und womit?
J.A.: Obwohl ich damals keine Schriftstellerin werden wollte, habe ich in meiner Schulzeit sehr viel geschrieben – Kurzgeschichten und andere Dinge. Als ich dann ohne Abschluss vom College abging, musste ich irgendetwas machen. Ich habe mir das Schreiben ausgesucht, weil ich dafür nicht so früh aufstehen musste.

A.B.: Hast Du eine fest strukturierte Methode, wie Du ein Projekt vorantreibst?
J.A.: Ich bin total undiszipliniert. Obwohl ich wirklich Disziplin bräuchte. Ich sage mir jeden Tag, dass ich früh aufstehen und zum Schreiben in die Bibliothek gehen werde. Aber dann kommt etwas im Fernsehen, das ich mir ansehen will, und zwei Stunden später stelle ich fest, dass ich immer noch nicht in der Bibliothek bin.

A.B.: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsüber, lieber abends/nachts? Wie sieht Dein Tagesablauf aus?
J.A.: An meinen produktivsten Tagen fange ich entweder morgens als Allererstes mit dem Schreiben an, oder es ist für den Rest des Tages das Letzte, was ich tue. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, hilft es mir wohl auch, schläfrig zu sein beim Schreiben.

A.B.: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre, oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst?
J.A.: Ich versuche normalerweise, Ablenkungen zu minimieren – was mit meinen zwei Kindern schwierig ist. Meistens kann ich irgendwohin flüchten, Kopfhörer aufsetzen und schreiben. Ich stelle mir für jedes Projekt, an dem ich arbeite, eine iTunes-Playlist zusammen mit Musik, die mich inspiriert.

A.B.: Schreibst Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt?
J.A.: Das hängt wirklich davon ab, was ich gerade zu tun habe. Als ich die "Blutsbande-Bücher schrieb, hatte ich den Luxus, mich auf jedes einzelne konzentrieren zu können. Jetzt schreibe ich sowohl als Jennifer Armintrout als auch als Abigail Barnette, und Abigail hat Abgabetermine bei zwei verschiedenen Verlegern – für Bücher, die im Abstand von einem Monat herauskommen. Ich muss nicht nur Jennifer Armintrouts, sondern auch Abigails Projekte koordinieren. Also musste ich lernen, da schnell umzuschalten.

A.B.: Verfasst Du auch Kurzgeschichten oder nur komplexe Romane?
J.A.: Normalerweise schreibe ich keine Kurzgeschichten. Aber weil ich meine deutschen Fans so großartig finde, habe ich eine Kurzgeschichte nur für sie geschrieben. Sie wird noch dieses Jahr in einer Kurzgeschichtensammlung erscheinen, deren Titel ich leider noch nicht kenne. Aber soweit ich weiß, erscheint die Geschichte nur auf Deutsch!

A.B.: Hast Du ein Vorbild?
J.A.: John Lennon ist einer meiner größten Helden. Er hatte niemals Angst, seine Meinungen und Ideen zu vertreten – genauso möchte ich sein. Furchtlos und absolut zufrieden, zu sein, wer ich bin.

A.B.: Schreibst Du lieber alleine oder würdest Du auch mit einem Co-Autor arbeiten? Wenn ja, wer würde Dich da reizen?
J.A.: Ich schreibe allein. Mit einem Co-Autor könnte ich vor allem deshalb nicht arbeiten, weil ich sehr eigen bin. Ich will die Dinge auf meine Art machen. Selbst die Worte aussuchen, die ich benutze. Meine Charaktere dazu bringen, zu tun, was ich will. Das soll nicht heißen, dass ich es nicht mag, wenn meine Romane bearbeitet werden. Es ist mir einfach wichtig, die alleinige Kontrolle über meine Fantasiewelt zu haben, bevor ich sie an meine Lektoren übergebe.

A.B.: Liest Du regelmäßig? Wenn ja, was bevorzugt?
J.A.: Ich bin eine Leseratte, aber auch mein siebenjähriger Sohn lernt gerade lesen. Momentan lese ich also vor allem mit ihm zusammen Beverly Cleary und Judy Blume. Normalerweise lese ich gern Bücher aus dem Romance-Genre, manchmal gibt es auch ein bisschen Fantasy.

A.B.: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt?
J.A.: Ich komme aus einer wirklich wundervollen Familie, die mich immer unterstützt hat – in der Hinsicht habe ich großes Glück.

A.B.: Wie kam der Kontakt zum MIRA-Taschenbuchverlag zustande ?
J.A.: Mein erstes Buch hatte ich noch in einem ganz anderen Format bei einem anderen Verlag abgegeben. Ursprünglich war die Serie als gewöhnliche paranormale Romance-Geschichte gedacht: Nathan und Carrie verlieben sich und werden am Ende des ersten Buchs ein Paar. Als es abgelehnt wurde, schickte ich es zu Harlequin. Die hatten gerade eine Reihe mit dem Titel Bombshell auf den Markt gebracht, und ich dachte, mit der Mischung aus Action und Romantik würde mein Buch gut ins Konzept passen. Sie wollten es nicht für Bombshell, stattdessen schlugen sie mir vor, es zu überarbeiten. Ich sollte es für die Reihe Luna zu einer Serie machen. Nachdem ich das Buch geändert hatte und mich auf eine lange, lange Wartezeit einrichtete, bekam ich den Anruf. Sie boten mir einen Vertrag über drei Bücher für Luna an. Im selben Gespräch sagte mir die Lektorin, die das Buch eingekauft hatte, „Ach ja, ich verlasse übrigens den Verlag.“ Ich bekam eine neue Lektorin, und keinen Monat später rief sie mich an und sagte: „Gute Nachricht: Ihre Bücher werden bei MIRA erscheinen – und ich werde nicht mehr Ihre Lektorin sein.“ Für eine Weile war es etwas verwirrend, aber ich bin froh, dass meine Bücher bei MIRA erschienen sind. Ich glaube nicht, dass sie anderenfalls so leicht ihren Weg zu meinen Lesern gefunden hätten.

A.B.: Wie eng ist die Zusammenarbeit mit dem deutschen Verlag (MIRA Taschenbuch)? Und unterscheidet sie sich von der mit amerikanischen Verlagen?
J.A.: Eigentlich nicht vorhanden. Ich wusste nicht einmal, dass meine Romane in Deutschland erschienen waren, bis die erste Fanpost kam! Nachdem ich das gesagt habe: Ich denke, MIRA in Deutschland leistet bei dieser Serie großartige Arbeit.

A.B.: Wie kamst Du auf die Idee zu Deiner BLUTSBANDE-Serie?
J.A.: Ich habe einmal als „Servicekraft“ in einem Krankenhaus gearbeitet. Es gehörte zu meinen Aufgaben, Patienten im Krankenhaus an ihren Bestimmungsort zu bringen – das schloss auch Verstorbene ein, die in die Leichenhalle mussten. An sich ist eine Leichenhalle kein besonders unheimlicher Ort, wenn man von den toten Menschen und den bizarren Instrumenten absieht. Die, in die ich meine Patienten bringen musste, war sogar recht fröhlich mit ihren gelben Wänden. Meistens waren auch Leute dort, die putzten oder Papierkram erledigten. Trotzdem dachte ich „Himmel, was wäre, wenn ich hier einmal allein bin und die Leiche ist gar nicht tot?“ So ist das erste Kapitel der Blutsbande-Geschichte entstanden. Als mir klar wurde, dass niemand ein Buch über eine Krankenpflegerin lesen will, machte ich Carrie zur Ärztin – und von da aus entwickelte sich das Ganze.

A.B.: Hast Du einen favorisierten Charakter in Deiner Serie?
J.A.: Ziggy ist einer meiner Lieblinge, weil seine Rolle auf jemandem basiert, den ich einmal kannte.

A.B.: Schildere uns doch bitte in knappen Worten worum es in Deiner Serie geht?
J.A.: Na klar! Carrie Ames ist eine Frau, die Ärztin werden will und sich stattdessen als Vampir wiederfindet.

A.B.: Was macht für Dich die Faszination „Vampir“ aus?
J.A.: Sie sind die ultimativen Raubtiere. Sie sehen aus wie wir. Sie können fast alles tun, was wir tun. Sie können sich in unser Leben einschleichen und sich uns schnappen, wann immer es ihnen beliebt. Das ist ein echt unheimlicher Gedanke. Dass der Bibliothekar oder die Rezeptionistin nur auf den richtigen Moment warten könnten, um Dich zu fressen.

A.B.: Woran arbeitest Du derzeit? Auf was dürfen sich die Leser künftig freuen?
J.A.: Im Moment arbeite ich als Abigail Barnett an einigen erotischen Romance-Geschichten für den Onlinemarkt. Diese Bücher werden etwas romantischer sein, ein wenig zarter. Es tut gut, einmal Pause zu machen und etwas anderes zu schreiben – aber schon in den ersten zwei dieser Geschichten gibt es auch Vampire. Ich kann wohl einfach nicht davon lassen! Im März 2011 wird ein neues Vampirbuch von mir auf dem englischsprachigen Markt unter dem Titel „American Vampire“ erscheinen. Es hat nichts mit der Blutsbande-Serie zu tun, aber es hat dieselbe Atmosphäre, und ich hoffe, den Lesern gefällt es genauso gut wie mir.

A.B.: Vielen Dank für das ausführliche Beantworten meiner Fragen – und viel Erfolg mit Deinen neuen Projekten!


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