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BLITZ, Schattenchronik & die Regenbogen-Welt

Interview mit Alisha Bionda, geführt von Florian Hilleberg am 01. Nov. 2006.


Alisha Bionda Alisha Bionda
Die Autorin, Herausgeberin und Lektorin Alisha Bionda wurde in Düsseldorf geboren, lebt derzeit auf Mallorca und gehört mittlerweile fest zur deutschsprachigen Phantastik-Szene. Bekannt ist sie unseren Lesern neben ihrer Redaktionsarbeit vor allem durch ihr Wirken beim BLITZ-Verlag. Mehr über sie und ihre vielfältige Arbeit erfahrt ihr im nun folgenden Gespräch, das Gastautor Florian Hilleberg mit ihr führte.

Florian Hilleberg:
Wie kam der Kontakt mit dem BLITZ-Verlag zustande?

Alisha Bionda:
Ich stand mit Jörg Kaegelmann schon 1999 kurz in Kontakt, der sich aber verloren hatte. Dann bot ich ihm vor vier Jahren einige meiner Manuskripte an. Da er auch eine Mitarbeiterin in einigen Bereichen des Verlages suchte und ein anderer Autor – der zu der Zeit ebenfalls im BLITZ-Verlag veröffentlichte – auch hier auf der Insel lebt, entschloss sich Jörg Kaegelmann, mir 2002 einen Besuch abzustatten. So kam unser erneuter Kontakt zustande. Unsere Zusammenarbeit ist seither stetig gewachsen und hat sich immer mehr gefestigt. Wir sind uns in den wesentlichen Dingen und Ansichten sehr ähnlich, üben aber auch gegenseitig konstruktive Kritik – alles, was zu einem guten Team gehört.

Florian Hilleberg:
Wie sieht ein Arbeitstag bei dir aus und wie eng sind die Termine gelegt? Hast du überhaupt einen "richtigen" Feierabend?

Alisha Bionda:
Einen richtigen Feierabend in dem Sinne, dass ich zu einer bestimmten Zeit den Mac ausschalte, habe ich nicht. Aber das bleibt mir selbst überlassen. Der schönste Aspekt dieses Berufes ist es, dass man die freie Wahl hat. In allem. Ebenso, wie lange ich arbeite und welche Projekte ich durchführe. Da habe ich BLITZ einiges zu verdanken, und ich bin an Erfahrung reicher geworden. (Auch was menschliche Verhaltensweisen angeht.) Ich gebe zu, dass ich oft zu lange wirke. Aber das liegt vor allem daran, dass ich erstmals in meinem Leben einen Beruf ausübe, der mir richtig Spaß macht, und ich darüber hinaus ein Mensch bin, der sich ohnehin immer sehr einsetzt. Es liegt natürlich auch immer an den Zusammenarbeiten. Bei BLITZ ist z. B. eine kleine Familie entstanden, durch das Lektoratsteam (TTT), das ich vor vier Jahren gegründet habe, durch die Zusammenarbeit mit dem Setzer und den Grafikern, aber auch den Autoren. Das funktioniert alles sehr gut und auf freundschaftlicher Ebene.

Wie mein Arbeitstag aussieht, bestimmt immer meine Wochenplanung – und das, was an Projekten gerade anliegt. Das kann man so pauschal nicht sagen. Aber grob ist es so, dass ich meist tagsüber meine Verlagstätigkeiten ausübe und abends/nachts schreibe. Da muss ich sagen, dass die Termine immer enger beieinander liegen. Aber das ist natürlich. Und man kann ja froh sein, wenn die Auftragslage halbwegs stimmt. Da ich sehr diszipliniert und belastbar bin, kann ich aber mit Fug und Recht sagen, dass ich mehr schaffe, als das manch anderer kann.

Florian Hilleberg:
Wie entspannst du dich am besten?

Alisha Bionda:
Die Frage kann ich nicht so einfach beantworten. Ich entspanne mich, wenn ich beispielsweise meinen Morgen oder Abend am Meer starte/beende, mit meiner Windhunddame Jamila am Strand entlanggehe, einen Cappu und Zigarillo in meinem Stammcafé am Meer genieße und dort in einem Buch (meist Rezensionsbücher) schmökere.

Hin und wieder zieht es mich hier ins Gebirge. Natur ist für mich Entspannung.
Es kommt für mich oft auf die Intensität des Augenblicks an – das kann ich nicht pauschal beantworten.

Am besten entspanne ich mich in der Gesellschaft der wenigen Menschen, die mich erreichen. Die kann man aber an einer Hand abzählen, umso wichtiger sind sie mir. Und ich hoffe immer, sie wissen das. Darunter sind zwei Menschen, denen ich mich besonders verbunden – nein, dem einen zugehörig fühle. Sie bereichern mein Leben, und auch wenn ich an sie denke, bewirkt das in mir eine Form der Entspannung.

Florian Hilleberg:
Kannst du dir die Serien und Reihen, die du lektorierst, aussuchen? Wie viel Spielraum hast du in Hinsicht auf Gestaltung und Änderungen der Bücher?

Alisha Bionda:
Grundsätzlich kann ich das natürlich aussuchen, weil es ja reine Auftragsarbeiten sind. Ich bin keine fest bezahlte BLITZ-Kraft. Aber es besteht eine Absprache mit dem Verlag, dass möglichst einheitlich lektoriert werden soll, und so gibt es da feste Regeln. Und ich versuche, gewisse Titel selbst zu lektorieren. Nun kommt es aber vor, dass ich an der einen oder anderen Serie selbst mitschreibe, da muss ich dieses Lektorat vergeben. Was den Spielraum angeht, so liegt das in der Ethik des Berufes. So, wie man nicht in seine Kinder hinein-, sondern herauserziehen soll, sollte ein Lektorat den Text eines Autors unterstützen und nicht zu Tode lektorieren – oder nach dem eigenen Geschmack vergewaltigen. Die Autoren bei BLITZ werden in das Lektorat mit einbezogen, soweit das von Verlagsseite vertretbar ist. Die Gestaltung sprechen Jörg Kaegelmann und ich ab, wir haben uns das in etwa aufgeteilt. Das ergibt einen Sinn.

Florian Hilleberg:
Mit "Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik" ist dir ein großer Wurf gelungen; welchen Anteil hatte dabei der Namensgeber der Serie?

Alisha Bionda:
Einen wesentlichen insoweit, dass sie nie diese enorme Beachtung erfahren hätte. Durch die Zusammenarbeit mit Weltbild, die Jörg Kaegelmann initiiert hat, erreicht die Serie einen Zuspruch, den sie aber ohne Wolfgang Hohlbeins Herausgabe nicht erzielt hätte. Im Zuge dessen prüft er natürlich jeden Titel und ist somit nicht nur ein Namensgeber, und daher für alle, die mit der Serie zu tun haben, ein Ansporn, sie in seinem Sinne weiterzuführen.

Alles in allem bin ich ihm da zu großem Dank verpflichtet!

Florian Hilleberg:
Serien über weibliche Vampire sind mittlerweile keine Seltenheit mehr, ich denke da an "Vampira" und "Vampir-Gothic", die neue Serie von Martin Kay. Auch im Kino kann man starke Vampirinnen in Filmen wie "Underworld" bewundern. Wieso hast du dich trotz der großen Konkurrenz entschieden, ebenfalls einer Untoten die Hauptrolle zu geben?

Alisha Bionda:
Wahrscheinlich, weil ich nie einen Vampira-Roman gelesen habe. Mittlerweile besitze ich zwei Vampir-Gothicbände, die ich aber aus Zeitmangel noch nicht lesen konnte.

Warum ich einer Untoten die Hauptrolle gegeben habe? Im Grunde ist sie es nicht wirklich. Ihr Gefährte Calvin hat einen ebenso großen Anteil, wie auch andere Charaktere der Serie. Es ist eine immer mehrschichtigere Vampirgesellschaft / Schattenwesenwelt, die wir schaffen. Um Dilara dreht es sich zwar, aber ich würde sie nicht als alleinige Hauptperson bezeichnen.

Florian Hilleberg:
Ist das Konzept der "Schattenchronik" auf eine bestimmte Anzahl von Bänden ausgelegt, oder lasst ihr (du und die anderen Autoren) euch da überraschen?

Alisha Bionda:
Wir planen immer in Zweijahresabständen. So werden Jörg Kleudgen und ich in den nächsten Wochen die Bände 13 bis 20 konzipieren. Mit Jörg entwickele ich die Serie ab Band 4 zusammen weiter. Bei ihm möchte ich mich hier mal bedanken, weil er wirklich immer zur Stelle ist, wenn ich ihn zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten nerve und ihm mit "kannst du mal dies" und "kannst du mal das" oder "sollen wir nicht noch hier mal eben eine Dilara-Kurzgeschichte schreiben?" komme. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Immerhin hat er einen stressigen Beruf mit wechselnden Arbeitszeiten, eine Frau, seine Band The House of Usher inklusive Auftritte, auch im Ausland. Aber er hat noch nicht einmal in den letzten Monaten zu mir gesagt: "Jetzt reicht es aber, Alisha!" Man kann das nicht genug würdigen. Daher erwähne ich es.
Zurück zur Serienplanung: Was die Ideen angeht und die Lust am Schreiben, so sind wir alle so motiviert und voller Ideen, dass es eine Endlosserie werden könnte. Das entscheidet daher letztendlich der Leser.

Florian Hilleberg:
Wie viele Autoren werden an der Serie mitschreiben, und ist ein Roman von Wolfgang Hohlbein eingeplant?

Alisha Bionda:
Bisher war mein Wunsch immer zwei Co-Autoren, die ja vorhanden sind, aber ich habe noch die ein oder andere Idee. Da kann man sich überraschen lassen!

Florian Hilleberg:
Bislang haben schon Marc-Alastor E.E., Jörg Kleudgen und S.H.A. Parzzival an der Serie gearbeitet. Wie kam der Kontakt zustande? Welchen Anteil haben die anderen Autoren an der Entwicklung der Serie?

Alisha Bionda:
Es war so, dass ich mit der Serienidee bereits einige Jahre "schwanger" gehe und nun die Gelegenheit erhielt, sie in Angriff zu nehmen. Da habe ich Marc-Alastor E.-E. gefragt, ob er Lust hätte, an der Serie mitzuwirken. Und er hatte, was mich sehr glücklich stimmte, da ich ihn für ein großes Talent halte – du selbst sagtest ja letztens, dass er eine Bereicherung für die Serie war, denn du kennst ja alle sechs Bände. Er hat auch der Serie in den Anfängen durch einige Charaktere, die er geschaffen hat, wesentlichen Atem eingehaucht.

Später kam Jörg Kleudgen dazu und hat sich wundervoll eingefunden. Die Serie hat dadurch eine etwas andere Richtung eingeschlagen, weil er Marc-Alastor nicht ersetzen konnte, sollte und wollte. Aber die neue Richtung gefällt mir, weil für jeden Leser etwas dabei ist.

Dann kam wiederum S.H.A. Parzzival dazu, der den Vampircop Mick als Idee einbrachte – gewürzt mit meiner Bitte, diesem ein Voodoo-Vampir-Zwitterwesen zu geben. Insoweit haben alle drei einen Anteil an der Entwicklung der Serie. Ich möchte da keine Gewichtung vornehmen.

Florian Hilleberg:
Wie sieht die Mitarbeit mit anderen Autoren aus? Gibt es eine strikte Arbeitsteilung? Schickt ihr euch einzelne Abschnitte zu, die der andere weiterentwickeln muss?

Alisha Bionda:
Das ist unterschiedlich. Wir sprechen uns vorher ab, teilen auch auf, das geht nicht anders. Aber es besteht eine tägliche Kommunikation, daher verzahnt sich ein großer Teil der Texte automatisch, den Rest passe ich in der nachfolgenden Überarbeitung an. Es herrscht die richtige "Chemie" zwischen uns. Das merkt man besonders bei dieser Zusammenarbeit. Aber wir arbeiten selten gemeinsam an einer Szene.

Florian Hilleberg:
Habt ihr vor, auch andere Wesenheiten des Horror-Genres auftreten zu lassen, z. B. Werwölfe?

Alisha Bionda:
Haha ... Da schweige ich wie ein Grab. Ich will dem Leser doch nicht die Spannung nehmen! Aber: Bei uns ist man nie vor Überraschungen sicher!

Florian Hilleberg:
In der Magic Edition ist dein Roman "Regenbogen-Welt" erschienen. Wie und wann kam dir die Idee dazu, und warum ausgerechnet ein Mythos der Navajo-Indianer?

Alisha Bionda:
Die Idee kam mir schon sehr früh. Und es hatte mehrere Gründe. Ich möchte meinen Lesern zeigen, dass ich viele Facetten habe. Aber ich greife auch immer wieder Themen für Einzelprojekte auf, die mich beschäftigen oder reizen. Die sind gänzlich unterschiedlicher Natur. Sei es nun die Mythologie der Navajo-Indianer oder ein Gen-Roman. Da ist die Bandbreite bei mir recht groß. Zu den Navajos bin ich über viele Wege gekommen. Das würde zu weit führen und ist auch zu privat, weil es mit einem dunklen Kapitel meines Lebens zu tun hat. Aber: Es hat mir persönlich sehr geholfen, mich damit zu beschäftigen. Ich bin zwar überhaupt nicht esoterisch veranlagt, doch es gibt viele Dinge, die wir von der Natur lernen können, wenn wir nur richtig hinschauen ... und vieles mehr.

Florian Hilleberg:
Kann man mit einem ähnlichen Projekt von dir in absehbarer Zeit rechnen?

Alisha Bionda:
Mit einem ähnlichen nicht, aber dafür mit anderen interessanten Projekten, etwa ein mystischer Mallorcaroman "Das Grab des Poeten" mit Jörg Kleudgen, aber auch andere Co-Projekte, auf die ich mich freue. Aber sicher auch wieder Einzelromane, die bei mir immer sehr in die Tiefe gehen und während des Entwicklungsprozesses und des Schreibens – die dann einen Teil von mir beinhalten – auch in mir Spuren hinterlassen.

Florian Hilleberg:
Bald erscheinen auch neue Abenteuer mit "Larry Brent" von dir und S.H.A. Parzzival. Du hattest schon einmal gesagt, dass ihr mehrere Bände zu LB schreiben wollt. Wer wird noch zu dem neuen Autorenteam gehören?

Alisha Bionda:
S.H.A. Parzzival und ich haben einige Titel geplant, die wir zusammen bestreiten werden. Es sollen nun weitestgehend Zyklen erscheinen. Der erste wird sich um den Dämonensohn ranken (LB 113 bis 115), danach gibt es einen Zyklus, den ich mit Christian von Aster, S.H.A. Parzzival und der österreichischen Erfolgsautorin Barbara Büchner verfasse. Weitere Zyklen sind in Planung. Wer außer S.H.A. Parzzival und meiner Wenigkeit mitschreiben wird, steht noch nicht fest. Daher lohnt sich immer ein Blick auf unsere Verlagsseite, die wir täglich auf aktuellem Stand halten. Auch unsere Vorschau ist immer sehr pünktlich online. Da kann sich jeder informieren, aber auch über den Kontaktbutton auf der Verlagsseite täglich mit uns Kontakt aufnehmen.

Florian Hilleberg:
Fällt es dir schwer, mit den vorgegebenen Charakteren umzugehen?

Alisha Bionda:
Nein, überhaupt nicht, wenngleich man sich natürlich Projekte herauspickt, die einem als Autor auch liegen. Aber man schafft ja parallel zu den vorgegebenen Charakteren auch immer neue und baut – darüber hinaus – die vorgegebenen noch aus. Da bleibt genug Raum für die schriftstellerische Entfaltung. Für Projekte, die zu enge Vorgaben machen, würde ich nicht schreiben. Das reizt mich nicht.

Florian Hilleberg:
Habt ihr vor, der Serie einen neuen roten Faden zu verleihen, oder verlegt ihr euch auf einzelne Fälle?

Alisha Bionda:
Es wird auf jeden Fall einen roten Faden geben. Wie erwähnt, sind Zyklen geplant. Ich denke, da erwarten die Larry-Brent-Leser, aber auch die Neueinsteiger interessante Titel.

Florian Hilleberg.
Inwieweit sprecht ihr euch mit Dan Shocker über die Entwicklung der Serie ab?

Alisha Bionda:
Wir sprechen uns bei jedem Band mit ihm ab.

Florian Hilleberg:
Die neuen Titel versprechen zumindest ein Wiederlesen mit dem Dämonensohn des Dr. Satanas. Werden auch andere alte Feinde, wie Dr. X, Mystex oder Dr. Tschang Fu wieder mitspielen?

Alisha Bionda:
Wir werden mit Sicherheit immer Charaktere der Serie aufgreifen. In welcher Form und welchem Umfang, richtet sich dann nach den jeweiligen Plots. Es muss ja alles stimmig sein. Ich gehe davon aus, dass wir eine gesunde Mischung aus Althergebrachtem und Neuem anbieten werden.

Florian Hilleberg:
Mit der "Magic Edition" wurde eine vielversprechende Reihe beendet, welche Einzelromane verschiedener Genres vereinte. Gibt es ein ähnliches Konzept für eine neue Reihe? Oder werden in Zukunft auch einzelne Romane außerhalb einer Serie oder Reihe veröffentlicht?

Alisha Bionda:
Da ist derzeit nichts geplant. Es ist sinnvoll, sich auf weniges zu konzentrieren und das dann möglichst immer weiter zu verbessern und pünktlich zu bringen. Diese Politik verfolgen wir und sie greift. Das heißt aber nicht, dass wir nicht neue Ideen entwickeln. Das sieht man gerade jetzt, in Form des "Titan-Comic", dessen erster Band im Juni erscheint.

Im Übrigen gibt es die "Magic Edition" ja noch bis Ende 2006. Wer flott zugreift, kann sie sich noch sichern. Wer sie komplett erwirbt, erhält auch signierte Exemplare – und hat somit in mehrfacher Sicht schöne Sammlerstücke.

Florian Hilleberg:
Werden in naher Zukunft weitere Bücher von dir im BLITZ-Verlag, außerhalb der Serien "Schattenchronik" und "Larry Brent", erscheinen?

Alisha Bionda:
Ich schreibe 2007 und 2008 an jeweils zwei Bänden der Serie "Titan-Sternenabenteuer" mit und bin ansonsten immer offen für Projekte, in die ich mich auch einbringen kann. Ich muss das Gefühl haben, dem auch gerecht zu werden. Aber ich habe schon die eine oder andere Idee an den Verlag herangetragen.

Darüber hinaus gebe ich dieses Jahr noch je eine Anthologie in der "Poe"- und "Sherlock Holmes"-Reihe heraus.

Florian Hilleberg:
Im Herbst dieses Jahres möchtest du eine neue Internet-Seite veröffentlichen, u. a. mit Rezensionsmöglichkeiten für Bücher. Kannst du darüber ein wenig berichten? Was unterscheidet beispielsweise deine Seite von anderen Homepages dieser Art?

Alisha Bionda:
Das stimmt nicht so ganz. Im Herbst soll erst einmal meine neue Autorenseite programmiert werden, die ich dann selbst täglich auf aktuellem Stand halten kann. Alles andere ist noch nicht spruchreif, da sich leider Verzögerungen ergeben haben.

Florian Hilleberg:
Wie bist du zum Schreiben gekommen, wann stand für dich fest, selbst schriftstellerisch tätig zu werden?

Alisha Bionda:
Da ich, so lange ich denken kann, lese-lese-lese, habe ich auch recht früh begonnen zu fabulieren, dann tummelte ich mich jahrelang in der Literaturzeitschriftenszene, habe einige Jahre auch selbst eine herausgegeben – nach alter Undergroundmanier, was für mich mehr Herz und Seele hatte als die heutigen Hochglanzmags. Auch wenn sie alle mit tollem Layout daherkommen. Sie lassen für mich manchmal den persönlichen Fingerabdruck vermissen.

Zurück zum Schreiben: Ich habe neben meinem erlernten Beruf immer Zusatzstudien absolviert, so auch einiges in Richtung Literatur, Journalismus, aber auch Marketing. Und das andere hat sich dann natürlich entwickelt. Es vergeht kein Tag, ohne dass ich lese und schreibe. Das gehört zu meinem Leben.

Ich bin eine, die sehr intuitiv lebt und agiert. Dennoch zielstrebig. Auch wenn sich das widersprüchlich anhört, so ist es das nicht. Ich bin immer sehr authentisch – daher auch schon mal sehr unbequem – und das, was in mir ist, muss heraus: das geschriebene Wort und die Gefühle für die wenigen Menschen, die ich liebe ...

Aber bei beidem bin ich nicht inflationär. Ich schreibe nicht alles und liebe nicht jeden.

Florian Hilleberg:
Gibt es ein Thema, außer den Vampiren, über das du am liebsten schreibst? Was wäre dein größter Wunsch, welche Projekte würdest du gerne verwirklichen?

Alisha Bionda:
Auch Vampire sind nicht mein Lieblingsthema. Ich bin da nicht festgelegt. Der Plot muss mich ansprechen und gefangen nehmen. Das beste Beispiel sind meine "Schattenchronik"-Bände und die "Regenbogen-Welt". Erstere sind ja eher düster und melancholisch und letzter ein lichter phantastischer Schöpfungsroman der etwas anderen Art. Ich sage es mal so: Außer reinen Liebesromanen reizt mich so ziemlich alles. Wie im Leben: Alles zu seiner Zeit! Das sieht man auch daran, dass es Zeiten gibt, da möchte ich auf jeden Fall alleine schreiben. Und dann wiederum fruchtet gute Zusammenarbeit, aber das kann ich nur mit ganz bestimmten Personen. Ich bin nicht der Typ, der mit jedem Co-Autor zusammenarbeiten könnte und wollte. Es gibt noch zwei Wunschkandidaten, mit denen leider bisher noch nichts in der Art zustande gekommen ist, wie ich es ab Band 4 in der "Schattenchronik" begonnen habe.

Kommen wir zu deiner Frage, was mein größter Wunsch ist. Ich bin mal so kühn und äußere gleich zwei: Ich würde gerne eine ganz bestimmte Trilogie mit Wolfgang Hohlbein zusammen verfassen. Das ist ein sehr lange gehegter Wunsch. Und ich möchte mit Marc-Alastor E.-E. eine stilistisch schöne und ausgereifte düstere Novelle schreiben, die mit Muße reifen soll und mit viel Liebe zum Detail geschrieben wird. Ich hoffe, ich habe zu beidem die Gelegenheit! Die Zeit wird es zeigen!

Florian Hilleberg:
Welche Projekte von dir sind sonst noch geplant?

Alisha Bionda:
Über die BLITZ-Projekte hinaus – was nicht gerade wenige sind – möchte ich für drei meiner schon vor längerer Zeit begonnenen Anthologien eine Verlagsheimat finden, was zugegebenermaßen derzeit schwer ist. Aber dennoch bleibe ich am Ball, zumal die Anthologien sehr gut sind, sowohl inhaltlich, als auch von der Aufmachung wie Innenillus/ Grafiken. Dann werde ich zusammen mit Jörg Kleudgen noch den einen oder anderen Roman verschiedener Genres (u. a. einen Fantasy-Jugendroman) verfassen. Sonstige Co-Projekte sind auch angedacht. Aber mir schwirren auch zwei Romane im Kopf herum, für die ich mir so viel Zeit lassen möchte wie für die "Regenbogen-Welt". Beide sind völlig gegensätzlicher Natur, was mich ja ohnehin reizt. Man muss immer alle seine Möglichkeiten ausschöpfen. Nur daran wächst man. Nichts ist schlimmer und erstickender als Stagnation. Privat und beruflich.

Florian Hilleberg:
Woher nimmst du deine Ideen? Gibt es auch Zeiten, in denen du eine Schreibblockade hast?

Alisha Bionda:
Was die Ideen angeht, so ist das sehr vielschichtig. Da sprühe ich ziemlich über, und daran mangelt es mir nicht. Ich müsste so alt wie Dilara werden, um alle umzusetzen – haha ... Woher ich meine Ideen nehme? Wenn ich eine bestimmte Musik höre oder unterwegs bin, oder manchmal ist es ein Satz, den ich aufschnappe oder irgendwo lese. Und daraus entsteht etwas völlig Anderes, aber es sind Ideenlieferanten. Oder wenn es Auftragsarbeiten sind, befasst man sich mit der vorgegebenen Grundidee und recherchiert. Dank Internet ist das heutzutage immer interessanter und optimaler zu handhaben. Schreibblockaden hatte ich nie, bis vor gut einem Jahr. Da war ich während meiner Vampirserienarbeit in einer persönlich sehr emotional angespannten Situation und hatte die erste (und sofort heftige) Blockade, die furchtbar war, weil es einer inneren Gefangenschaft gleichkam – für ein ansonsten so reges Wesen wie mich doppelt schwer erträglich, und bleibt mir künftig hoffentlich erspart.

Aber es hat mir gezeigt, dass auch ich nicht davor gefeit bin. Ich bin ohnehin ein Mensch, der optimaler arbeiten kann, wenn er in sich ruht, dann explodiere ich förmlich vor Energie. Gottlob ist ein Teil meiner Wesenheit fast immer so ... Ich bin emotional eine recht ausgeglichene Seeleneinheit: das Energiebündel und die stille, sanfte Melancholikerin. Ich genieße beide Seiten an und in mir und hoffe, die wenigen Menschen, die mir etwas bedeuten, auch. Weil ich in beiden Wesenheiten den wenigen, mir wichtigen Menschen sehr viel zu geben habe. Aber ich räume ein, nicht alle können damit umgehen. Der ein oder andere fühlte sich da schon überfordert und hat es vorgezogen, sich aus meiner Welt zu schleichen.

Florian Hilleberg:
Wer Romane schreibt, kommt unweigerlich in die Lage, seine Werke im Licht der Öffentlichkeit und im Kreuzfeuer der Kritik zu sehen. Wie gehst du damit um? Zumal Kritik leider nicht immer objektiv bleibt.

Alisha Bionda:
Das stimmt. Generell kann ich zur Kritik sagen: Ich trage sie wie meine Diamanten, nämlich mit Fassung. Besonders wenn sie erkennen lässt, dass der Rezensent nichts verstanden hat oder schon krude an das Buch heranging, wie z. B. jüngst die Rezension meines Romans "Regenbogen-Welt" bei MEDIA MANIA. Da lache ich dann eher drüber und reagiere auch nicht, weil die Rezension dann für sich selbst steht und spricht; vor allem, wenn sich derjenige auch noch darin widerspricht. Manche denken halt, wer viel liest, kann auch rezensieren. Das ist ein Trugschluss.

Man muss es gelernt haben, Texte zu analysieren. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Der Rezensent eines Fantasy-Romanes muss erkennen können, dass es sich um Fantasy handelt, in der Insekten auch gerne mal nicht zu hundert Prozent einem Sachbuch entsprechen müssen. Vor allem!, wenn es sich um eine Schöpfungsgeschichte handelt, also eben jene Insekten bereits einen menschlichen Funken in sich haben und sich im Laufe der Handlung wandeln. Das zu erkennen, gelingt halt nicht jedem. Wenn derjenige eine hochentwickelte und mit Respekt zu behandelnde Mythologie als Esoterikkram abtut – nur weil er sie nicht verstanden hat – hat er in mehrfacher Sicht gefehlt. Da ist es verschwendete Zeit, sich darüber zu ärgern. Die kann man besser nutzen.
Darüber hinaus wusste schon MRR zu sagen: besser schlecht besprochen, als gar nicht erwähnt.

Florian Hilleberg:
Du mußt von Berufswegen schon sehr viel lesen, liest du privat auch noch Bücher, und wenn ja, welche?

Alisha Bionda:
Ich gestehe, dass ich kaum noch privat lesen kann, aber diese wenigen Bücher genieße ich dann besonders. Sie sind eher philosophischer Natur und beschäftigen mich daher meist auch recht lange. Was das Gros der anderen Bücher angeht, die ich lese, also Rezensionsbücher, so versuche ich nur solche zu wählen, die ich auch gerne privat lesen würde.

Florian Hilleberg:
Hast du einen Lieblingsort, an dem du liest?

Alisha Bionda:
Ich lese bevorzugt in freier Natur. Also am Strand, im Wald oder Gebirge.

Florian Hilleberg:
Was sind deine Hobbys?

Alisha Bionda:
Literatur, Kunst, Musik sind die wichtigsten Eckpfeiler meiner Hobbys. Fast alles, was damit zu tun hat, interessiert mich. Ich bin zum Beispiel eine rege Konzertgängerin. Aber es gab früher in meinem Umfeld auch kaum eine Vernissage, auf der ich nicht anzutreffen gewesen wäre. Reisen würde ich auch dort eingliedern, wenngleich ich es eher als kulturelle Horizonterweiterung ansehe.

Dann habe ich bestimmte Rituale, wie ich meinen Tag hier auf der Insel beginne und ausklingen lasse. Beides am Meer. Morgens – im Sommer schwimmend – bei Sonnenaufgang (das hat etwas Meditatives, weil ich dann mutterseelenalleine im Wasser bin) und nachts, in der Dunkelheit am Meer, an den Klippen, am Strand. Ich sitze dann da, lausche der Brandung, genieße meinen Zigarillo, und egal, was am Tag war – es fällt von mir ab. Dann wünsche ich mir eigentlich nur noch eines: den Mann, den ich liebe, an meiner Seite.


Florian Hilleberg:
Vielen Dank für dieses Interview, Alisha, und viel Erfolg für deine Projekte.

Alisha Bionda:
Ich habe zu danken!

Florian Hilleberg für BUCHWURM-INFO, http://www.buchwurm-info.de

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