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Leseprobe 2

SCHATTENHAUCH

Tanja Bern
Roman / Fantasy

Fabylon

eBook, 263 Seiten

Jul. 2017, 3.99 EUR
auch als eBook erhältlich

Derlyn fand Lillyns Spur wieder, aber nun merkte er, dass sie sich eindeutig verirrt hatte, denn die Spur verlief kreuz und quer. Schließlich wagten sie doch nach ihr zu rufen, aber das Mädchen blieb verschwunden.
Einige Stunden später standen sie plötzlich an einer Schlucht, die sich zu beiden Seiten weit in die Umgebung fraß. Die Landschaft teilte sich hier, als hätte ein riesiges Messer sie entzweigeschnitten. Der Grund war nicht auszumachen, lag im Schatten der brennenden Mittagssonne und wirkte wie ein bodenloses Loch. Die Hänge waren zerfurcht von Steinen und dunkler Erde.
Viktor betrachtete den Abhang mit einem Gesichtsausdruck, als wäre er selbst dafür verantwortlich.
Jörn trat nah an den Rand. »Das war eines dieser Erdbeben«, murmelte er betroffen. »Ich erinnere mich noch daran. Als wir aus der Stadt flohen, bebte plötzlich die Erde und verschlang mehr als zehn von denen, die bei uns waren.«
Amelie horchte auf. »Hier in der Nähe ist eine Stadt?«
Jörn hob langsam den Arm und wies auf den Verlauf der Schlucht. »Dort …«
Ein Aufschrei hallte durch den Wald und Amelie sah erschrocken in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Dort war Tobias, der vor einem Tier zurückwich, das Amelie zunächst nicht erkennen konnte, weil der Mann die Sicht darauf versperrte. Dann weiteten sich ihre Augen. Ein Löwe brüllte und kam auf Tobias zu. Amelie erinnerte sich mit Schrecken an Derlyns Worte: Ich vermute, dass damals viele Zootiere entkamen …
Im Gegensatz zu den Wölfen hatte der Löwe seine normale Größe behalten, was ihn nicht minder gefährlich machte. Seine Mähne war ergraut und eines seiner Hinterbeine lahmte. Trotz seiner augenscheinlichen Schwäche hieb er mit einer Pranke nach Tobias. Hilflos sah Amelie zu Derlyn, doch der war wie erstarrt. Tobias schrie auf und stolperte, aber dies stachelte den Löwen wohl nur noch mehr an. Doreen hob mit einer fahrigen Bewegung den Bogen, schoss und verfehlte das Tier.
Da ertönten seltsame Laute aus dem Wald. Dunkle Gestalten schossen zwischen den Bäumen hervor und Amelie wich erschrocken zurück. Sie stieß gegen Derlyn, der sie abrupt packte und mit sich ziehen wollte.
Schatten!
Amelie konnte sich nicht von der Szenerie abwenden. Wie gelähmt starrte sie auf die dunklen Wesen. Der Löwe suchte das Weite und Tobias taumelte geschockt nach hinten. Ohne einen Laut stürzte er in die Schlucht.
»Amelie!« Derlyns Stimme hörte sich seltsam an – tonlos und doch voller Angst. Endlich löste sie ihren Blick von der Schlucht und wandte sich zu ihm herum.
Vor ihnen stand ein Schatten. Seine hagere Gestalt war völlig von einem kurzen Pelz umschlossen, dessen Farbe man schwer einordnen konnte. Goldene Augen begegneten ihr aus einem Gesicht, das sie nicht ausmachen konnte, da auch dieses von kurzen Tierhaaren bedeckt war. Wie ein Mensch stand das Wesen aufrecht, wirkte aber mit den langen Gliedmaßen und dem etwas vorgebeugten Oberkörper wie ein Geschöpf aus einer anderen Welt.
Derlyns Hand umfasste ihre eigene so hart, dass es schmerzte. Der Schatten bleckte die Zähne und fauchte sie an. Amelie reagierte als Erste. Sie drehte sich um, zog Derlyn mit sich und rannte in Richtung Wald. Er begriff sofort und rief: »Schnell, klettere auf den Baum!«
Derlyn fasste sie an der Taille und hob sie ein Stück den Ästen entgegen. Mit einem Ächzen ergriff sie einen davon und zog sich mühsam auf den Baum. Sie sah Derlyn verblüfft zu, wie er hochsprang, mit nur einer Bewegung in eine Astgabelung griff und sich leichtfüßig nach oben zog.
»Höher!«, rief er.
Sie kletterten so hoch sie konnten. Amelie hielt sich schließlich krampfhaft an einem dickeren Zweig fest und blickte fassungslos zu Derlyn. Der biss sich so stark auf die Lippe, dass sie blutete. Sie folgte seinem Blick. Der Schatten folgte ihnen, kletterte jedoch weitaus leichtfüßiger als sie.
»Der Baum war eine scheiß Idee«, sagte er atemlos.
In Amelie fluteten Gefühle der Angst auf. Derlyn streckte warnend den Fuß aus. Amelie begriff, dass er versuchen würde, den Schatten wegzutreten. Auch das dunkle Wesen schien das zu verstehen und hielt inne. Sein Kopf neigte sich zur Seite und es betrachtete sie mit morbider Faszination. Amelie sah, dass seine Fellfarbe wechselte, sich bei jeder Bewegung wie ein Chamäleon an den Hintergrund anpasste.
Ein Pfiff hallte durch den Wald und das Wesen wandte ruckartig den Kopf in Richtung des Geräuschs. Wie ein Affe schwang es sich vom Baum, kam sicher am Boden auf und lief davon. Amelie bekam kaum Luft, atmete keuchend ein und aus. Sie schaute zu, wie die seltsamen Geschöpfe schattengleich zwischen den Bäumen hindurch zu einem bestimmten Ort rannten. Durch den changierenden Pelz konnte man sie kaum erkennen. Sie waren perfekt getarnt.
»Wir müssen zu den anderen!«, krächzte Derlyn. Sein Gesicht hatte jegliche Farbe verloren und er atmete ähnlich schwer wie sie.
»Warte«, flüsterte sie und zeigte in die Richtung, in die ihre Angreifer verschwunden waren. Zwischen den Baumriesen erhaschte sie einige Reiter auf großen Pferden mit zottigem Fell. Dann verschwanden die Fremden wie Geister.
»Wer war das?«
Derlyn hielt sich krampfhaft an einem der Äste fest und schüttelte den Kopf, um zu verdeutlichen, dass er es nicht wusste. Langsam kletterten sie hinab und liefen zu der Schlucht zurück. Als Viktor sie erspähte, rannte der alte Mann auf sie zu und umarmte beide. »Wir dachten, ihr wärt verloren!«
»Wir sind weggelaufen und auf einen Baum geklettert.« Amelie schluchzte und presste ihr Gesicht an Viktors Brust.
Sie wagte nicht nach Tobias zu fragen, sie hatte selbst gesehen, wie er in die Schlucht gestürzt war. Jörn hockte bei Doreen, die mit schmerzverzehrtem Gesicht ihren rechten Arm hielt.
»Wir brechen die Suche ab«, sagte Viktor. »Doreen ist verletzt. Sie hat sich den Arm gebrochen, als einer der Schatten ihr den Bogen aus den Händen gerissen hat. Wir müssen zurück.«
»Aber Lillyn ist noch irgendwo hier!«
Viktor zögerte. »Ich weiß, Amelie.«
»Ich lasse sie nicht im Stich!«
Derlyn ergriff ihre Hand. »Ich auch nicht! Die Spur führt an der Schlucht entlang. Wir können sie finden!«
»Kinder! Habt ihr nicht gesehen, womit wir es zu tun haben?«
»Das hab ich«, erwiderte Derlyn. »Aber kannst du sagen, ob sie angegriffen haben oder uns vor dem Löwen schützen wollten? Für mich war das nicht eindeutig!«
»Tobias ist tot!«
»Ich weiß …« Derlyn senkte den Kopf.
Amelie starrte auf ihre Schuhspitzen. Tränen sammelten sich in ihren Augen und sie konnte sie nicht aufhalten. Mutlos sah sie zu, wie die Tropfen im sandigen Erdboden versickerten. Vor ihrem geistigen Auge sah sie noch einmal, wie Lillyn durch die Zelte lief. Und sie hatte das Mädchen nicht aufgehalten.
»Sie braucht doch auch ihre Medizin«, flüsterte Amelie. Viktor sah sie getroffen an. Jörn und Doreen kamen zu ihnen. »Kommt, lasst uns verschwinden.«
Niemand sagte ein Wort. Keiner von ihnen bewegte sich.
»Wir müssen fort!«, sagte Jörn nachdrücklich.
Amelie sah, wie Viktor die Augen schloss. Er legte Jörn eine Hand auf die Schulter. »Geht nach Hause. Wir suchen weiter nach Lillyn.«
»Aber …«
»Wirst du zurückfinden?«
Jörn atmete geräuschvoll aus. »Ich bin diesen Weg damals schon einmal gegangen, Viktor. Dort hinten liegt meine alte Heimat. Ich finde den Weg.«
»Ich kann die beiden nicht allein lassen, Jörn«, flüsterte der Arzt, »und ich kann sie nicht zwingen aufzugeben.«
Doreen suchte Amelies Blick. »Amelie …?«
»Sag Marie, dass sie nicht alle Kekse aufessen soll.« Immer noch umschlang sie Derlyns Hand. Ein eiskaltes Gefühl umklammerte ihr Herz.
Schwermütig nickte Doreen. Amelie sah zu, wie Maries Mutter und Jörn langsam davongingen. Stille breitete sich aus, keiner wagte es, etwas zu sagen. Derlyn raffte sich als Erster auf, löste sich von Amelie und lief die Schlucht entlang. Sie folgten ihm in einigem Abstand. Nach einer Weile, die Schlucht zog sich langsam zusammen, beugte sich Derlyn hinab und roch an der Erde.
»Lillyn war hier.«
Sie schauten auf die trostlose Landschaft, die sich vor ihnen ausbreitete. Die Bäume lichteten sich immer mehr und wirkten weiter hinten verdorrt und dunkel, als hätte ihnen jemand die Lebensenergie geraubt. Ruinen erhoben sich in der Ferne. Wie mahnende Finger ragten die Überreste von Wolkenkratzern in den Himmel.

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