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Sherlock Holmes und die gefallenen Mädchen

SHERLOCK HOLMES UND DIE GEFALLENEN MÄDCHEN
SHERLOCK HOLMES UND DIE GEFALLENEN MÄDCHEN

Astrid Pfister
Novelle / Crime

Arunya-Verlag
Covergrafik: Shikomo
Covergestaltung: Shikomo
Innengrafiken: Shikomo

BAKER STREET TALES: Band 5
eBook

Mai. 2017, 2.99 EUR
auch als eBook erhältlich

Dann drehte sich der Inspektor zu uns um und sagte: »Ich habe mit meinen Kollegen gesprochen und ihnen gesagt, wer Sie sind. Sie haben eingewilligt, dass Sie einen Blick auf die Leiche werfen können, da ich ihnen versichert habe, dass Sie beide absolut vertrauenswürdig sind und Sie uns mit Ihrer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe schon häufig dabei geholfen haben einen Fall aufzuklären.«
Holmes nickte und schob sich an Lestrade vorbei. Ich selbst hatte es nicht eilig und ließ meinem Freund gerne den Vortritt. Ich ging noch einen Schritt zurück und sprach ihn auch nicht an. Ich wusste, wie Holmes tickte und dass man ihn zu gewissen Zeiten der Ermittlung nicht stören durfte. Erst später würde er das Gespräch mit mir suchen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, als ich mir schon sicher war, den Gestank und die Kälte nicht eine Sekunde länger ertragen zu können, trat Holmes beiseite und raunte: »Watson, treten Sie näher und schauen Sie sich das Opfer bitte genau an. Sie als Arzt können uns Fakten liefern, die einem Laien nicht auffallen.«
»Natürlich, Holmes.« Ich begab mich zögernd zu dem leblosen Körper.
Das Opfer war so schlimm zugerichtet, dass die ganze Szene fast surreal wirkte, aber dennoch nichts von ihrer Grausamkeit einbüßte.
Das Mädchen war augenscheinlich sehr jung und man erkannte noch die letzten kindlichen Züge in ihrem Gesicht, sie war höchstens sechzehn oder siebzehn und ihre Kleidung offenbarte, dass sie in dem ärmlichen White Chapel zu Hause gewesen war. Das Kleid war schlicht und nur mit Bändern, die man billig kaufen konnte, verschönert worden und ich bemerkte schon beim flüchtigen Hinsehen geflickte und gestopfte Stellen, auch ihre Schuhe waren abgetragen und einer davon hatte ein Loch.  Sie hatte, vermutlich, um ihre kindliche Unschuld zu unterstreichen, weiß als Farbe ihres Kleides gewählt, obwohl dies nur noch dem geschulten Auge auffiel. Denn es war so von Blut durchtränkt, dass es von Weitem beinahe dunkelrot wirkte.
Ich hatte die Morde von Jack the Ripper damals verfolgt, daher waren ihre Verletzungen trotz der Brutalität keine Überraschung für mich, denn sie waren sein Markenzeichen gewesen.
Die Kehle des armen Geschöpfes war durchgeschnitten worden und hatte sie dieser Blutverlust nicht sofort umgebracht, dann war sie an der grausamen Wunde im Unterleib gestorben. Der Ripper hatte sie offengeschnitten und ihre Gedärme herausgeholt, als wäre sie ein Weihnachtstruthahn. Auch ihr Gesicht war durch tiefe Schnitte grauenvoll entstellt und der Täter hatte ihren langen Zopf abgeschnitten und ihn achtlos zur Seite geworfen.
Ich hatte in meinem Leben schon viele Grausamkeiten gesehen und in die Abgründe der menschlichen Seele geblickt. Aber ich konnte nicht verstehen, wie ein Mensch zu so etwas fähig war.
»Haben Ihre Beamten schon Hinweise gefunden?«, fragte Holmes Inspektor Lestrade, als wir wieder aus der engen Gasse herausgetreten waren.
»Das Opfer selbst trug nichts bei sich, womit wir sie identifizieren könnten. Nur diese Kette.« Lestrade hielt eine einfache Kette hoch, an der ein Anhänger baumelte, der einer Münze glich. Darauf waren ein verschnörkeltes S und ein A geprägt.  »Vermutlich die Initialen des Mädchens«, mutmaßte er, »vielleicht das Geschenk eines reichen Kunden, den sie einmal gehabt hat.« 
Holmes trat näher, kniff die Augen zusammen und betrachtete die Medaille aus der Nähe. »Dies sind nicht die Initialen des Mädchens. Aber ich weiß, wo wir ihren Namen erfahren werden.«
Sowohl Lestrade als auch ich blickten ihn gespannt an. Das war wieder einmal der beste Beweis für seinen brillanten Geist.
Der Tatort lieferte keinerlei Spuren und niemand wusste, wer dieses Mädchen war. Holmes grübelte einen Augenblick lang nach und schon präsentierte er uns die Lösung.
»Und wer ist dieser jemand?«, erkundigte sich Lestrade.
»Nicht wer, sondern was«, entgegnete Holmes in aller Seelenruhe. »Das S und das A auf der Medaille stehen für die »Salvation Army«, die Heilsarmee. Und diese Münze bekommen Mädchen, die auf die schiefe Bahn geraten sind, als Zeichen der Unterstützung, wenn sie bereit sind, ihr Leben fortan zu ändern. Deshalb müssen wir entweder zur Heilsarmee hier im East End oder zu der nahe gelegenen Hanbury Street, wo die Heilsarmee ein Heim speziell für gefallene Mädchen betreibt.«
»Wenn man Sie kennt, braucht man wirklich keinen Almanach mehr, Holmes«, meinte Inspektor Lestrade beeindruckt. »Woher wissen Sie denn, dass diese Medaille das Zeichen der Heilsarmee ist und wo genau sich das Heim befindet?«
»Ich bin ein aufmerksamer Zeitungsleser und nach dem Tod von Catherine Booth, der Ehefrau des Heilsarmee Gründers, waren die Zeitungen jeden Tag voller Berichte über sie und ihr Wirken in London, speziell im East End. Die Heilsarmee kümmert sich um bedürftige Menschen, aber die gefallenen Mädchen waren eine besondere Herzensangelegenheit von Catherine Booth. Sie hat gerade hier im East End unzähligen jungen Frauen einen Weg aus der Prostitution gezeigt, ihnen ein Heim geboten und sie wieder auf den rechten Weg geführt«, erklärte Holmes.
»Gab es nicht auch eine aufsehenerregende Aktion von ihr wegen des Mindestalters dieser bedauernswerten Geschöpfe?«, erinnerte ich mich.
Holmes nickte mir anerkennend zu. »Sehr gut, Watson. Catherine Booth versuchte ein Gesetz zu erwirken, damit sich die Männer strafbar machten, die mit den Mädchen schliefen, die noch beinahe Kinder waren. Aber das Parlament wollte sie nicht anhören. Deshalb sammelte sie damals knapp vierhunderttausend Unterschriften auf einer Schriftrolle. Diese gewaltige, drei Kilometer lange Rolle ließ sie von Heilsarmee- Kadetten auf den Schultern durch London tragen und anschließend auf dem gesamten Boden des Parlaments ausrollen. Und dann hatte sie auf einmal ihre volle Aufmerksamkeit«, erwiderte Holmes und man hörte deutlich den Respekt aus seiner Stimme heraus. Er war ja bekanntlich kein großer Fan des weiblichen Geschlechts. Er fand Frauen zu irrational und viel zu gefühlsbetont und beschied ihnen im Allgemeinen auch eine geringere Intelligenz als den Männern. Umso mehr beeindruckten ihn starke Frauen wie Catherine Booth, die ihren Weg gingen, hart für ihre Ziele kämpften und sich von nichts und niemandem davon abbringen ließen.
Inspektor Lestrade entschuldigte sich kurz, um einem der Beamten mitzuteilen, dass sie das Heilsarmeegebäude im East End aufsuchen würden, da es Hinweise darauf gab, dass man dort hinter die Identität des Mädchens gelangen könnte und eventuell auch nützliches Hintergrundwissen erfuhr.
Als er wiederkehrte, konnte ihm Holmes auch die Straße nennen, in der sich die Heilsarmee befand. Manchmal stellte ich mir das Gehirn meines Freundes wie einen riesengroßen Schwamm vor, der jede Kleinigkeit, die ihm jemand erzählte, oder die er irgendwo las, aufsaugte und speicherte, bis er sie irgendwann einmal benötigte. Auch ich las jeden Tag dieselbe Zeitung wie Holmes und nahm regelmäßig den Almanach zur Hand, aber das meiste, was ich las, verflog irgendwann wieder. 
Inspektor Lestrade erklärte uns, dass das Gebäude so nahe war, dass es sich nicht lohne, die Kutsche zu nehmen. Mir wäre es ehrlich gesagt lieber gewesen, in der sicheren und sauberen Umgebung der Droschke zu verweilen, statt mich durch die düsteren und stinkenden Straßen von White Chapel zu wagen. Dass ein Mann vom Scotland Yard an unserer Seite war, beruhigte meine Nerven zum Glück und ich stellte mir unwillkürlich vor, wie schrecklich es sein musste, als Kind oder Frau in der Abenddämmerung durch diesen Stadtteil gehen zu müssen. Erst recht, wenn sich herumsprach, dass Jack the Ripper wieder sein Unwesen trieb.
Das Gebäude der Heilsarmee war schon von Weitem zu erkennen. Zum einen wegen des großen  Salvation Army-Schriftzugs über dem Eingang, zum anderen wegen der Menschenmenge, die in der Nähe des Eingangs herumstand.

Shikomo
Shikomo
© http://www.shikomo.de

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